Beiträge von PedSchi

    Die Folge lebt (halbwegs) davon, dass eben drei fremde Leute (= Stimmen) als Justus, Peter und Bob auftreten und man sich denkt: "Das geht ja gar nicht!"

    Um sozusagen noch mal eine Bindung herzustellen zu den drei Originalsprechern, ist das vielleicht ein ganz cleverer Schachzug. Aber der allein trägt natürlich nicht die Geschichte und kann nicht das Grundübel schlechter Drehbücher und das komplette Ignorieren erzählerischer Grundtugenden wie "Show don't tell" kompensieren. Die Folge geht ja schon allein damit los, dass Erzähler Axel Milberg die erste Szene mit einer Überschrift ("Im Baumarkt") versieht. Anschließend beschreibt er in epischer Breite ein Geschehen, das dann an der Kasse noch einmal dialogisch rekapituliert wird. Sprich, man hätte sich den ganzen Sermon vorneweg sparen können, wenn man die Szene an der Kasse nur ein wenig anders geschrieben hätte. Ebenso ist es Milberg, der erzählt, dass Peter den Geistesblitz hat, die allgemeine Ablenkung zu nutzen, um den Zettel mit dem Rätsel aus dem Haus zu stehlen. Nicht Wawrczek als Sprecher spielt das, Milberg als Erzähler erzählt es. Da fragt man sich dann schon, was die Drehbuchautoren bei Europa eigentlich hauptberuflich machen.

    Der Fall an sich ist unspektakulär, was ich eigentlich angenehm finde, wovon aber ein ziemlich sinnfreies Stakkato an Szenen und Figuren abzulenken versucht. Es gibt wieder mal keinen roten Faden in der Handlung, keine wirklichen Ermittlungen (man läuft halt so lange über das Grundstück, bis man irgendwo was findet), keine wirkliche Figurenentwicklung (als der falsche Peter auf den echten Peter trifft, lassen beide sofort ihre Masken fallen und vertragen sich auf der Stelle).

    Fazit: Es ist eigentlich ein ganz klassischer ???-Fall - ein eher simples Verbrechen wird unverhältnismäßig kompliziert zu verschleiern versucht, es gibt einen bösen Bösen und eine vermeintlich böse Gute, ein paar, die sich instrumentalisieren lassen und ein paar, die aus ganz eigenen Motiven mitmischen. Und genau so klassisch hätte man den Fall umsetzen können. Aber die Autoren schaffen es nicht, eine Balance zwischen den Figuren und Handlungssträngen herzustellen.

    Satte 90 Minuten sind schon ordentlich lang und an zwei oder drei (oder vier oder fünf ...) Stellen fehlte mir wie üblich das Nachfassen oder die für mich naheliegende Anschlussfrage. Aber es ist tatsächlich ein aufschlussreiches Interview ohne die ausgenudelten Standardfragen, wobei ich mich aber auch sehr mit Wawrczeck identifizieren kann. Kritik sucht man natürlich auch vergeblich, aber okay. Ich persönlich hätte es jedoch interessant gefunden, zu hören, was er sagt, wenn man ihn mal mit der belanglosen Musik bei den "Drei ???" konfrontiert, da er ja selbst erklärt, dass er lieber keine Musik hat als nichtssagende. Das ärgert mich aber auch an den meisten Interviews: die Gesprächspartner liefern interessante Stichwörter und der Interviewer geht nicht darauf ein.

    Warum Nicht.

    Ich freue mich ja durchaus über deine vielen Beiträge, mit denen du frischen Wind ins Forum bringst. Aber im Sinne einer Diskussion über Hörspiele - so steht es ja immerhin auch im Titel des Threads - würde mich halt grundsätzlich mehr interessieren als nur: "Fand ich gut", "Fand ich segr gut" oder "Fand ich nicht so gut".

    Bei beidem würde ich sagen: Mach's erst mal. Den Schrei des seltsamen Weckers auszudenken und dann auch noch so hinzubekommen, finde ich ebenso beachtlich, wie das Aus-sich-Herausgehen von Marinanne Kehlau. Und da das Verhalten ihrer Figur eben immer wieder geschnitten wird - durch Professor Wooley einerseits und so lakonische Kommentare wie "Ausgeglichen ist sie nicht gerade!" andererseits -, funktioniert es für mich.

    Ja, zwei kongeniale Figuren auf jeden Fall. "Laetitia ist keine besonders intelligente Frau!" So einen Satz würdest du heute gar nicht mehr zu hören bekommen. Aber das macht für mich die Folge aus. Auf der einen Seite diese absolut spröde, emotional sprunghafte und wenig damenhafte Protagonistin, die aber nie ins Überzeichnete abkippt, auf der anderen Seite der überaus schroffe und schonungslose Wissenschaftler, der ihr bei Licht besehen in nichts nachsteht.

    Angesichts der Qual-ität der Hörspiele in den letzten Jahren bin ich froh um alles, was nicht vertont wird.

    Außerdem wurde "Shoot the Works", wie ich gesehen habe, ebenso wie die Bücher der "Top-Secret-Box" von Silvia Christoph übersetzt. Und dann muss ich das nicht haben.

    So habe ich Es irgendwo Gelesen keine Ahnung.


    Vielleicht Sogar bei Europa Studios Der Die Drei Fragezeichen Home Page.


    Irgendwo die Meinung von irgendwem gelesen zu haben, ist leider kein Maßstab.


    Ich fand das Buch (im Original) sehr gut. So weit ich mich erinnere, war meine erste Reaktion auch: "Holla, das ist für die 'Drei ???' aber starker Tobak!", doch dann wird klar, dass es sich eigentlich nur um einen ganz normalen Crimebusters-Fall handelt. Man könnte vielleicht argumentieren, dass die Folge zu Peter-lastig ist, zu viel "Zwischenmenschliches" enthält oder eine zu spröde Protagonistin. Aber nichts davon hat Kosmos in der Vergangenheit davon abgehalten, entsprechende Folgen übersetzen zu lassen und im Zuge dessen im Zweifelsfall zu verwässern.


    Tatsache ist: "The Three Investogators" waren immer ein gutes Stück härter als die "drei ???". Die Titel der Originalbücher sind reißerischer, die Cover trashiger und expliziter (auf dem Titelbild meiner Ausgabe von "Death Trap Mine" sieht man im Vordergrund die Hand der Leiche), die Geschichten blutiger. Im "Rasenden Löwen" etwa wird ein Panther erschossen, bevor er die Kinder angreifen kann. Die Szene schließt mit der Beschreibung der sich unter dem toten Tier ausbreitenden Blutlache.


    Von den Obdachlosen im "Tanzenden Teufel" wird recht deutlich, dass es sich um Kriegsveteranen handelt - amerikanische Lebenswirklichkeit (nicht nur) der damaligen Zeit und damit wohl auch eine Form von Sozialkritik. Das ist einem jungen deutschen Publikum sicher so nicht vermittelbar und insofern verständlich, dass es geändert oder ausgelassen wurde, aber dennoch ein Beispiel für eine Klarheit, die es so bei den "Fragezeichen" nie gegeben hat.

    Pasetti war meiner Meinung nach meist mehr als nur Erzähler. Das lag natürlich in Teilen am Konzept, weil Hitchcock anfangs noch als Kommentator und Hinweisgeber aufgetreten ist. Aber auch sonst hat er halt wesentlich mehr "mitgespielt", war Teil der Geschichte und eher Gastgeber und Moderator als Erzähler. Er hat je nachdem Skepsis, Ironie, Pikiertheit oder andere Regungen in seine Stimme gelegt. Das macht ihn einzigartig.


    Mit Fritsch, der mir auch sehr gut gefallen hat und der ja immerhin dienstältester Erzähler nach Folgen ist, werde ich leider immer verbinden, dass er einen Abschied bekommen hat, er das Gegenteil von gut war, nämlich gut gemeint. Ein Video mit nicht geskriptetem Text, stockend vorgetragen, und dann auch noch vermengt mit der Ankündigung, Axel Milberg als neuen Erzähler gewonnen zu haben - im Rheinland sagen wir dazu: Ein feuchter Händedruck und 'n Arschtritt.

    Also, ob ich mich nun durch Kassetten wühle oder durch CDs, bleibt für mich irgendwie gleich. Ich habe selbst noch eine ganze Reihe alter Mixed Tapes hier, aber kein vertrauenswürdiges Abspielgerät. Wegen der Gefahr von Bandsalat würde ich mir keine Kassetten mehr kaufen.

    Meiner Meinung nach ist die Folge absolut höhepunktfrei und spannungsarm erzählt. Wenn man es denn als Fortschritt werten will, dass auf Overacting, Haspeln ("Er öffnet ... er öffnet den Globus! Und jetzt ... jetzt schließt er ihn wieder!"), Rekapitulierungen gerade erst Geschehenens und musikalische Dramatisierungen von Banalitäten verzichtet wird - okay, dann ist der "Mottenmann" vielleicht ein minimaler Schritt nach vorn. Andererseits könnte man natürlich auch sagen, die Serie verzichtet inzwischen selbst auf den Versuch, ihre Belanglosigkeit zu kaschieren.


    Es wird im Prinzip das Schema F der letzten zehn Jahre abgearbeitet: Es gibt haargenau eine "Actionszene", als der Mottenmann in ein Gewächshaus einbricht, es gibt ein bisschen Wissensvermittlung (Riesenmotten samt wissenschaftlichem Name, Vorkommen und Nutzung durch den Menschen), es gibt "Dynamik" in Form von "Wir atzen von A nach B nach C nach D und reden mit Leuten". Dieses Herumlaufen und Reden stellt unterm Struch alles an "Ermittlung" dar; "kombiniert" wird längst nicht mehr. Ein paar Indizien werden en passant eingestreut, aber was es mit ihnen auf sich hat, wird, wie eigentlich der gesamte Fall, wieder erst am Schluss en bloc und in der Rückschau erklärt. Den berüchtigten Justus-Monolog hat inzwischen ein Dialog mit wechselnder Besetzung abgelöst, das war's.


    Bleiben noch Wolfgang Häntsch als Mr. Huntington und Lina Maria Millat als Xeni positiv im Ohr und dann Klappe zu, Motte tot oder so.