Beiträge von PedSchi

    Im Alter von 98 (!) Jahren ist Friedrich G. Beckhaus gestorben. Synchronisiert hat er bis ins Alter von 95 (!!!) Jahren. Für mich wird Beckhaus auf ewig verbunden sein mit Roboter Grag in "Captain Future" und Garak in "Deep Space 9".

    Inzwischen habe ich auch "Die drei ???: Im Bann des Barrakudas" gehört. Und was soll ich sagen? Marleen Lohse <3! Ansonsten: Es wird halt wieder sehr viel erzählt. Was sich ändert, sind einzig die Methoden, dies zu kaschieren. Mal ist es Bob, der schildert, was er in einem Handyvideo sieht, mal sind es Justus und Peter, die in epischer Breite den Inhalt gefundener Tagebücher ausdiskutieren. Und dann gibt es natürlich noch die Schlussrunde, in der sich zufällig noch mal alle Beteiligten treffen, um alles zu erklären und zu gestehen, ehe dann die Polizei auftaucht und die Bösewichte abführt.

    Gegen die Böllerei gestern Abend habe ich "Die drei ??? und das Fantasmofon" und "Die drei ??? und der lebende Tresor" gehört. Das "Fantasmofon" gefällt mir dabei recht gut. Es wird in beiden Folgen wieder recht viel erzählt und einfach nur mit Geräuschen untermalt, aber immerhin folgen die Storys, wenn die Handlung auseinanderläuft, nicht mehr nur einem der drei Detektive, während die anderen beiden dann irgendwann rückblickend erzählen, was ihnen Aufregendes passiert ist.

    Die verwirrende Atmosphäre des Hauses im "Fantasmofon" ist gut umgesetzt, die Story ist zeitgeistig und sie hat auch ganz klassische ???-Technik-Vibes. Ich finde den Brückenschlag zwischen Altem und Neuem hier gut gelungen. Der Gruselfaktor hingegen wirkt aufgepfropft.

    "Der lebende Tresor" lässt mich im Vergleich dazu ziemlich ratlos zurück. Ich hätte gedacht, dass André Minninger seine eigene Geschichte stringenter verhörspielen kann. Ich fand die Handlung sehr konfus, sodass ich im Prinzip nur sagen kann, nach einmaligem Hören ist mir mal wieder aufgefallen, wie anders Synchronschauspieler wie Tobias Meister doch klingen, wenn man sie mal freier spielen lässt - und wahrscheinlich geht in einschlägigen Kreisen schon wieder der Punk ab, weil es eine homosexuelle Figur gibt.

    Das Ende von "Der lebende Tresor" ist (halb) offen. Das hat es bei den ??? so auch noch nicht gegeben.

    Zuletzt (endlich mal) gehört: "Seweryna und die unsichtbaren Nazis". Interessant und dankenswerterweise so dokumentarisch gemacht, dass man die Grauen des Dritten Reichs beim Hören auf Abstand halten kann. Die Machart an sich ist inzwischen aber sattsam bekannt. Zwei Redakteurinnen mit persönlichem und emotionalem Bezug zum Thema bereiten die Geschichte von Seweryna Szmaglewska auf. Das wirkt natürlich in seiner Wiederholung irgendwann so, als sei es Qualifikation genug, deutsch-polnischer Herkunft oder Nachfahrin eines deutschen Widerstandskämpfers zu sein. Der Tonfall ist mir teilweise zu lapidar, wenn etwa von "ziemlichen (!) Grausamkeiten" die Rede ist. Und auch bei der polnischen Pfadfinderbewegung habe ich mich gefragt, ob da nicht etwas Abstand und Einordnung fehlt, denn für mich verbreiten die ziemliches PIS-Sprech. Aber vielleicht kommt in den späteren Folgen noch zur Sprache, dass es in Polen bereits kurz nach dem Krieg wieder die ersten Pogrome gegen Juden gegeben hat.

    Ich bin auf deine Meinung gespannt. Ergänzend möchte ich noch sagen, ich habe auch gelacht, meist über Aisha Kandishas knochentrockene Kommentare. :) Aber ich denke, dass es gerade bei der eigentlichen Zielgruppe, die schon so viele Krisen durchlebt hat, gut ankommen wird, dass dieses Hörspiel nichts überzuckert. Saloua ist Mutter zweier kleiner Kinder und hat Krebs. Und man erlebt nicht nur mit, wie sie gegen die Krankheit kämpft, auch die Kinder sind präsent. Und da man die Figuren ins Herz schließt, geht einem das echt nah.

    Gerade ist etwas passiert, was schon lange nicht mehr vorgekommen ist und überhaupt erst wenige Male: Ich habe die verbleibenden 7 Folgen am Stück gehört. Ich fand das Hörspiel einfach toll. Der Soundtrack allein verleiht ihm Elemente eines Musicals. Er ist unglaublich abwechslungsreich und fasziniert mich als Linguisten allein schon von der Vielzahl der Sprachen her. Außerdem lernt man was. Ich habe schon begonnen, einige Sachen nachzurecherchieren - und sei es nur, um Fakt von Fiktion zu trennen.

    Der "Scoop", auf den die Geschichte ab einem gewissen Punkt abbiegt, ist dabei simpel und hat mich persönlich nur am Rande interessiert. Aber die Figuren sind toll - gut gesprochen und gespielt, glaubwürdig und vor allem: Komplex. Jeder Charakter hat seine Motivationen, sein Konfliktverhalten, seine Beziehungen. Es gibt keine Schwarzweißmalerei.

    In diesem Hörspiel steckt wirklich unglaublich viel drin an Folklore, Symbolik, Emanzipationsgeschichte, jüngster und jüngerer Geschichte, migrantischen Erfahrungen und Gefühlen. Ich habe an einer Stelle geweint.

    Ich finde es grandios, dass sich da mal jemand getraut hat, dem Publikum etwas so Komplexes vorzusetzen. Für mich nimmt dieses Hörspiel die Zuhörer ernst. Und das für mich persönlich vielleicht Tollste: Es kommt konsequent ohne Liebesgeschichte aus. Lamya bleibt immer eigenständig und unabhängig. Es gibt zwei junge Männer, die es ihr angetan haben - und als sie sich am Ende entscheidet (falls sie sich entscheidet), tut sie das nicht, weil sich der eine davon als blöd und böse erweist und sie keine andere Wahl mehr hat. Das feiere ich.

    Ich habe gerade die erste Folge gehört - und ich lieb's. Ich kann noch nicht recht sagen, warum, weil ich ja nun mal kein Migrant bin, aber es schägt eine Saite in mir an. Vermutlich, weil viel Innigkeit rüberkommt. Gut, Produktplatzierung in Form der Nennung von Ryan Air könnten sie sich ebenso sparen wie das plumpe "Der Soundtrack, der ist schon krass, oder?" im Abspann - aber Tatsache ist: Ich will wirklich wissen, wie die Stücke heißen. ;)

    Ich habe gestern mal wieder die Lücke der noch nicht gehörten "Bobcasts" (zu "Spuk um Hotel" und "Fußballgangster") geschlossen. Darin erzählt Holger Mahlich interessant aus seinem Leben. Auch ein abermaliges Interview mit BJHW fand ich ganz interessant. Grundsätzlich kann ich immer verstehen, warum sie und ihr Mann was wie geschrieben haben, aber mit der Umsetzung hadere ich immer wieder. Den Freundinnen mehr Profil (oder überhaupt Profil) geben zu wollen - gut und schön. Aber letztlich ist sie es dann doch selbst, die die Freundinnen als nörgelnde Prinzessinnen darstellt (sofern die Hörspiele in diesem Punkt nicht massiv von den Büchern abweichen). Und, ja, sie hat recht, diese "Profilgebung" kann man mit ein paar Federstrichen erreichen - ein Detail hier, ein Detail da. Aber genau diese Reduzierung schafft sie in Bezug auf ihre Geschichten insgesamt irgendwie nie. Das sind aus meiner Sicht immer verkappte journalistische Enthüllungsstorys über große, sperrige Skandale, die sie - typisch Journalistin - zu sehr ausbuchstabiert.

    Da hier einige Leute Bodo Traber schätzen, auf deren Urteil ich etwas gebe, werde ich mir sicherlich noch mal was von ihm anhören. Aber auch, wenn es sich arrogant anhört: Okay, es ist mein Fehler, immer wieder überhöhte Erwartungshaltungen zu haben und dann festzustellen, andere kochen auch bloß mit Wasser. Aber "Das Ding im Nebel" war nun echt was, von dem ich mir nicht nur sage, das hätte ich auch gekonnt oder das hätte ich sogar besser gekonnt, sondern es war was, von dem ich mir sage, ich hätte es gar nicht erst geschrieben, weil es für mich persönlich einfach viel zu sehr Groschenroman war und ich mir nicht hätte vorstellen können, dass das jemand haben will - am allerwenigsten der ÖRR mit seinem Bildungsauftrag.

    Zuletzt gehört habe ich "Çelik & Pelzer: Der Nazischatz - Dunkle Vergangenheit". Fand ich mau - sehr, sehr mau. Zwischenzeitlich dachte ich mal, das soll ein Retro-Krimi sein, so altbacken, machistisch und obendrein spannungsarm ist dieser "Ermittlerkrimi" meiner Meinung nach.


    Außerdem bin ich beim Stöbern in den Halloween-Geschichten der ARD-Mediathek auf "Das Ding im Nebel" gestoßen. Für mich war es das erste Hörspiel des hoch gelobten Bodo Traber. Und ich sag' mal so: Ich habe einfach was anderes erwartet. In den sogenannten "Goldenen Zwanzigern" gab es in Deutschland eine ganze Reihe von Serienmördern. Ich dachte also, um einen davon geht es. Stattdessen werden in diesem Hörspiel die üblichen Versatzstücke verquirlt: Der kriegsversehrte Reporter, der zusammen mit einem Polizsten ermittelt, der sich natürlich ebenso wie all seine unmittelbaren Kollegen nicht an die Regeln hält. Die Polizistin, die den Lockvogel spielt, und ansonsten nur dazu da ist, mit dem Reporter zu schlafen und zu bemerken, dass Frauen noch kein Wahlrecht haben. Man braucht halt formal eine weibliche Protagonistin. Ansonsten - viel Kreischen, viel Geschrei, viel Stöhnen, viel nicht authentisches Berlinerisch, viele Matschgeräusche, viel Kotzen und 20er-Jahre in Stichworten: Droschke, Zensur, "Tommy-Kugel" usw. Gut, das alles in nur 45 Minuten stringent zu erzählen, muss man erst mal können. Aber nach dem ganzen Lob für Traber habe ich mehr Alleinstellungsmerkmal erwartet.

    Letzte Nacht habe ich "Carmilla" von Sheridan LeFanu gehört und damit mal wieder eine gewisse Bildungslücke geschlossen. Das Hörspiel aus dem Jahr 1984 hat die ARD anlässlich Halloween eingestellt und mit "romantischer Grusel" verschlagwortet. Nun ja, wenn man Bleisärge voll Blut, Pfählen und Köpfen denn romantisch findet ... Alles in allem fand ich das Hörspiel aber ganz gut.

    Gestern habe ich "Stahlkrallen - Ein schottischer Katzenkrimi" gehört. Nun ja, es ist ein Hörspiel für Kinder ab 9, also muss man wohl die fragen, wie sie es finden. Die Erinnerung an mein neunjähriges Ich fand das Hörspiel so lala.

    Gestern habe ich die Bobcast-Folge zu der ???-Episode "Dopingmixer" gehört. Ich könnte mich nun bestätigt fühlen, dass die BJHW-Folgen wirklich so schlecht sind, wie ich sie immer fand, aber tatsächlich wundere ich mich eher. Nachdem sich Schwind und Fröhlich vorher praktisch jede Folge irgendwie schöngesoffen haben, hacken sie jetzt auf BJHW umso mehr herum. Das finde ich schon ungehörig.