Beiträge von PedSchi

    Au ja, den Klappentext vorlesen, das sollten sie bei den "Drei ???" mal machen; das würde ihnen aber so was von um die Ohren fliegen, wenn sich dann nichts von der reißerisch angekündigten Spannung und Dramatik erfüllt. :lolz:


    Ansonsten: Die eigentlich erst für 4. Mai angekündigte CD-Lieferung ist heute eingetroffen.

    Off-topic: Von der Zeitlosigkeit des Themas "Unsterblichkeit" abgesehen, hat "Dracula" auch viel mit der britischen Angst vor "reverse colonialisation" zu tun - also damit, dass die ganze britische Vorherrschaft des Viktorianischen Zeitalters mal nach hinten losgehen könnte und die von der Zugehörigkeit zum Empire beglückten Völker in ihrem neuen Mutterland vorbeischauen. Und das ist durchaus noch präsent und aktuell, Stichwort Brexit. Nigel Verarsch und Co. bedienen ein bestimmtes britisches Gefühl, dass England (und ich sage bewusst "England") ja eigentlich noch die halbe Welt gehören sollte. In diesem Weltbild sind die London unterwandernden Rumänen nur eben keine vampirischen Grafen, sondern Erntehelfer und ähnliches. Will sagen: Man könnte aus dem "Dracula"-Stoff immer noch und immer wieder etwas Anspruchsvolles machen, aber das zigste "werksgetreue" Hörspiel oder Hörbuch, bei dem es eigentlich nur um die Frage geht, wie hört sich Sprecher X im Unterschied zu Sprecher Y als Dracula, Jonathan Harker oder Renfield an, und wie hört sich Sprecherin A im Unterschied zu Sprecherin B als Mina oder Lucy an ... muss ich jetzt nicht haben.

    Nachdem ich über Dracula sogar meine Diplomarbeit geschrieben habe und seitdem immer am Thema drangeblieben bin, würde ich schon sagen: Doch, der Stoff ist filmisch und hörspieltechnisch (erst mal) mehr als durch.


    Ansonsten geht es mir wie freiwild: Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch gucken oder hören, welche Dienste ich abonnieren und auf welchen Social-Media-Kanälen ich eigentlich präsent sein soll. Das geht teils allein schon vom Geld her nicht, gerade im Moment und als vielzitierter "Soloselbständiger". Aber es gibt Leute, für die das Alltag ist und die das Angebot nicht als "Dschungel" empfinden, so wie ich. Von daher: Läuft anscheinend, und das ist gut so.

    "Das Internet" wird "halten" und Klopapier und Mehl uns auch nicht ausgehen. Gerade Hörspiele könnten meiner Meinung nach in der derzeitigen Krise sehr gefragt sein, wenn es denn darum geht, sich weiter oder verstärkt irgendwie "allein" zu beschäftigen oder Kinder zu bespaßen. In mancherlei Hinsicht wird die jetzige Lage Dinge durchaus beschleunigt verbessern - etwa, was den Internetausbau an sich angeht, die Digitalisierung von Schulen, die Digitalisierung von Meetings. Jetzt, da sie müssen, merken die Leute ja auf einmal: "Hey, so eine Videokonferenz ist ja gar kein Hexenwerk und obendrein ganz praktisch!" Hätte man natürlich schon früher drauf kommen können, aber sei's drum.


    Alles, was an Arbeit schlicht liegenbleibt und nachgeholt werden kann, halte ich für vergleichsweise undramatisch. So einen DDF-Liveauftritt verschiebst du halt um ein halbes Jahr oder Jahr, die Karten behalten ihre Gültigkeit, fertig ist die Laube. X Prozent der Karteninhaber werden ihre Tickets aus unterschiedlichen Gründen zurückgeben, X Prozent diese Tickets kaufen.


    Das sieht bei unbekannteren Künstlern schon ganz anders aus. Die sieht oder hört man sich wesentlich eher mal an, weil gerade die Gelegenheit da ist.

    Ich weiß nicht, ob es so sinnvoll ist, noch mehr zu orakeln, als ohnehin schon allenthalben getan wird.


    Abgesagte Liveauftritte treffen meiner Meinung nach andere Künstlergruppen wesentlich härter, z. B. Autoren, die Lesungen veranstalten. Ob neue Produktionen verschoben werden, weiß ich nicht, es würde sich mir aber nicht erschließen, warum. Und sollte Amazon tatsächlich keine CDs nachordern (was ja offenbar Spekulatius ist), dann würde eben (temporär) mehr gestreamt.

    Eine Referenzfolge der "Drei ???", der unter lauter brillanten Sprechern Wolff Rathjen seinen Stempel aufdrückt. Mit viel, viel Abstand würde ich heute als kleinere Kritikpunkte anfügen, dass der "Flüsterer" eigentlich gar nicht flüstert und auch nicht bedrohlich wirkt. Und ich finde es bedauerlich, dass man den "???" den Zauber eines Anfangs genommen hat - die dezidierte Entscheidung, ab sofort Detektive zu sein, ein Unternehmen zu gründen, das Drucken der ersten Visitenkarten, die dreiste Erpressung Hitchcocks ... all das finfdet ja inzwischen nicht nur im Hötspiel nicht statt, sondern auch im Buch nicht mehr.

    Es ist ja auch fast zwölf Jahre her, dass ich diese Rezi geschrieben habe. Und, klar, wenn man sich heute "Tauchgang ins Ungewisse" anhört, dann denkt man sich gerade mit der "Geisterinsel" als Gegenbeispiel im Hinterkopf: Sie konnten doch bei "Europa" mal Tauchgänge inszenieren. Warum klappt das heute nicht mehr? Trotzdem bleibe ich dabei, auch und gerade in Relation zu anderen, besseren Folgen: Die "Geisterinsel" ist für mich nur eine 3.

    Wie schon erwähnt, sind eigentlich derb viele Fehler in dieser Erstlingsfolge, aber die Sprecher, die Figuren, die Rätsel und die Atmosphäre lassen das komplett vergessen. Da es in dieser Folge zudem noch in erster Linie Orchester- und weniger Bohn-Musik gab, wurde diesbezüglich auch in der Neuabmischung wenig verändert/verschlechtert. Ganz neu über diese Folge nachdenkend, finde ich sogar, sie ist ein lehrreiches Beispiel für Kinder, denn die Art und Weise, wie sich Justus, Bob und Peter auf den gewalttätigen und übergriffigen Mr. Claudius stürzen, oder mit der Justus ihm unerschrocken ins Stammbuch schreibt: "Das kann nicht nur so sein, das ist so!" kann man als mustergültiges Verhakten gegenüber Mobbern bzw. zudringlichen Erwachsenen sehen.

    Für mich wäre es eine solide bis gute Folge, wenn da nicht das unrealistische Ende mit den "zwei Plastikmasken" wäre. Mir fehlte da schon als Kind die Phantasie (und davon habe und hatte ich eigentlich immer reichlich), mir vorzustellen, dass das niemandem aufgefallen sein sollte. Da ich das Buch nicht gelesen habe, weiß ich nicht, an welcher Stelle das verhunzt wurde, bei der Übersetzung oder bei der Hörspieladaption. Im amerikanischen Original jedenfalls ist es so, dass Gabbo eine Plastikmaske aufhat, die er mit einem Clownsgesicht überschminkt.

    In vielerlei Hinsicht eine Referenzfolge für die "Drei ???". Der geschlossene Kosmos des Appartmenthauses mit seinen Bewohnern, die Anklänge an Hitchcocks "Fenster zum Hof", die ambivalenten Figuren, die viel mehr sind als nur Stichwortgeber für die drei Detektive, die dichte Taktung der Ereignisse und kein Overacting - alles Dinge, die man heute vermisst. Dabei ist der "Karpatenhund" im amerikanischen Original eine sehr sperrige (und deutlich spätere) Folge, die für die deutschen Leser stark verändert wurde.

    bzw. man übernimmt anscheinend wohl eher eher unwichtige Sache oder weniger wichtige Sachen.


    Richtig, wobei das dann aber auch zwangsläufig ist. Die übriggebliebenen Lapalien werden dann mangels Alternative ausgewalzt bis zum Gehtnichtmehr - im Falle dieser Folge der dann eigentlich doch nicht weiter schlimme Autounfall, im Falle von "... und die sprechenden Puppen" (exemplarisch genannt, weil mir besonders negativ im Gedächtnis geblieben) etwa das Trara um die Riesenspinne im Waschbecken.

    Das Problem ist für mich nicht, dass in die Geschichte zu viel reingepackt wurde, sondern, das der angebotene Inhalt nicht übernommen wird. Man hat Pi mal Daumen gegenüber früher die doppelte Spielzeit, reduziert aber den aus den Buchvorlagen übernommenen Inhalt.

    Ein paar der neueren Bücher habe ich gelesen, ja. "... und der schereinde Nebel" von Buchna fand ich großartig, hatte ich in ein paar Stunden durch. Die Umsetzung im Hörspiel reichte daran nicht mal ansatzweise ran. "Im Zeichen der Schlangen" habe ich mir dann geholt, weil ebenfalls von Buchna und weil Buchna auch bei "MindNapping" mal mitgemischt hat. Das Buch fiel aber meiner Meinung nach gegenüber "... und der schreiende Nebel" deutlich ab, obwohl immer noch sehr sauber recherchiert und mit einigermaßen authentischem amerikanischen Flair. "Stadt der Vampire" ließ sich jedenfalls deutlich besser lesen als hören. Ansonsten erinnere ich mich nur noch (mit Grausen) an die als Box veröffentlichten nachgereichten Übersetzungen von "High Strung" und Co, für die mal wieder irgendwelche Leute genommen wurden, "die auch Englisch können" - aber eben von Tuten und blasen keine Ahnung haben, wenn's um Übersetzen geht.

    Und achtwöchentlich grüßt das Murmeltier: Wieder einmal wird eine möglicherweise passable Story an die Wand gefahren, weil alles, was Action verspricht, nur rückblickend erzählt wird. Das grundlegende literarische Rüstzeug des "Show don't tell" wird bis zur Peinlichkeit standhaft ignoriert. Die Folge heißt "Tauchgang ins Ungewisse", aber getaucht wird nur formell. Justus und Peter geraten unter Wasser in Gefahr, weil ein Fischer - mutmaßlich nicht ganz zufällig - während ihres Tauchgangs Tang aberntet, aber geschildert wird das Ganze aus der Perspektive des beobachtenden und eher unaufgeregten Bob. Später kommt dann in mittlerweile typischer ???-Redundanz noch einmal eine leicht ausgeschmückte Schilderung der beiden betroffenen Protagonisten hinzu. Selbiges Prozedere noch einmal gegen Ende der Folge: Überfall, Gefangennahme und Befreiung von Justus und Peter werden erzählend vorgetragen, nachdem alles vorbei ist. Inhaltlich und atmosphärisch bleibt da nur dialogübertünschte Leere. Das einzige Highlight ist Lilith Gebauer in ihrer Rolle als altkluge und burschikose Jorunn Grey, die angesichts der lieblos-routinierten Hörspielumsetzung umso wehmütiger an den jungen Justus bzw. an Allie Jamison erinnert. Dass ich mich an Jorunns Onkel, einen offenbar schon mehrfach aufgetauchten Gangster namens William Grey aus der Feder von Autorin Kari Erlhoff, aber mal so gar nicht erinnern kann und ihn erst recherchieren musste, mag an mir liegen, oder Bände sprechen.

    Ich weiß, was sie machen wollen: Viele Bälle in der Luft halten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, auf dass man sich fragt, wie das alles zusammenhängt. Nur ist es halt so elend langatmig umgesetzt, dass genau diese Frage ganz schnell keine Kraft mehr entwickelt. Alles ist Dialog, alles wird erzählt, oft auch in der Rückschau (eine Angewohnheit, die Minninger bei den ??? schon seit Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten hat) und alle Figuren sind nur Beiwerk zu den Hauptsprechern, auf dass ihnen bloß niemand auch nur ansatzweise die Schau stiehlt.