Beiträge von PedSchi

    Meiner Meinung nach ist die Folge absolut höhepunktfrei und spannungsarm erzählt. Wenn man es denn als Fortschritt werten will, dass auf Overacting, Haspeln ("Er öffnet ... er öffnet den Globus! Und jetzt ... jetzt schließt er ihn wieder!"), Rekapitulierungen gerade erst Geschehenens und musikalische Dramatisierungen von Banalitäten verzichtet wird - okay, dann ist der "Mottenmann" vielleicht ein minimaler Schritt nach vorn. Andererseits könnte man natürlich auch sagen, die Serie verzichtet inzwischen selbst auf den Versuch, ihre Belanglosigkeit zu kaschieren.


    Es wird im Prinzip das Schema F der letzten zehn Jahre abgearbeitet: Es gibt haargenau eine "Actionszene", als der Mottenmann in ein Gewächshaus einbricht, es gibt ein bisschen Wissensvermittlung (Riesenmotten samt wissenschaftlichem Name, Vorkommen und Nutzung durch den Menschen), es gibt "Dynamik" in Form von "Wir atzen von A nach B nach C nach D und reden mit Leuten". Dieses Herumlaufen und Reden stellt unterm Struch alles an "Ermittlung" dar; "kombiniert" wird längst nicht mehr. Ein paar Indizien werden en passant eingestreut, aber was es mit ihnen auf sich hat, wird, wie eigentlich der gesamte Fall, wieder erst am Schluss en bloc und in der Rückschau erklärt. Den berüchtigten Justus-Monolog hat inzwischen ein Dialog mit wechselnder Besetzung abgelöst, das war's.


    Bleiben noch Wolfgang Häntsch als Mr. Huntington und Lina Maria Millat als Xeni positiv im Ohr und dann Klappe zu, Motte tot oder so.

    Au ja, den Klappentext vorlesen, das sollten sie bei den "Drei ???" mal machen; das würde ihnen aber so was von um die Ohren fliegen, wenn sich dann nichts von der reißerisch angekündigten Spannung und Dramatik erfüllt. :lolz:


    Ansonsten: Die eigentlich erst für 4. Mai angekündigte CD-Lieferung ist heute eingetroffen.

    Off-topic: Von der Zeitlosigkeit des Themas "Unsterblichkeit" abgesehen, hat "Dracula" auch viel mit der britischen Angst vor "reverse colonialisation" zu tun - also damit, dass die ganze britische Vorherrschaft des Viktorianischen Zeitalters mal nach hinten losgehen könnte und die von der Zugehörigkeit zum Empire beglückten Völker in ihrem neuen Mutterland vorbeischauen. Und das ist durchaus noch präsent und aktuell, Stichwort Brexit. Nigel Verarsch und Co. bedienen ein bestimmtes britisches Gefühl, dass England (und ich sage bewusst "England") ja eigentlich noch die halbe Welt gehören sollte. In diesem Weltbild sind die London unterwandernden Rumänen nur eben keine vampirischen Grafen, sondern Erntehelfer und ähnliches. Will sagen: Man könnte aus dem "Dracula"-Stoff immer noch und immer wieder etwas Anspruchsvolles machen, aber das zigste "werksgetreue" Hörspiel oder Hörbuch, bei dem es eigentlich nur um die Frage geht, wie hört sich Sprecher X im Unterschied zu Sprecher Y als Dracula, Jonathan Harker oder Renfield an, und wie hört sich Sprecherin A im Unterschied zu Sprecherin B als Mina oder Lucy an ... muss ich jetzt nicht haben.

    Nachdem ich über Dracula sogar meine Diplomarbeit geschrieben habe und seitdem immer am Thema drangeblieben bin, würde ich schon sagen: Doch, der Stoff ist filmisch und hörspieltechnisch (erst mal) mehr als durch.


    Ansonsten geht es mir wie freiwild: Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch gucken oder hören, welche Dienste ich abonnieren und auf welchen Social-Media-Kanälen ich eigentlich präsent sein soll. Das geht teils allein schon vom Geld her nicht, gerade im Moment und als vielzitierter "Soloselbständiger". Aber es gibt Leute, für die das Alltag ist und die das Angebot nicht als "Dschungel" empfinden, so wie ich. Von daher: Läuft anscheinend, und das ist gut so.

    "Das Internet" wird "halten" und Klopapier und Mehl uns auch nicht ausgehen. Gerade Hörspiele könnten meiner Meinung nach in der derzeitigen Krise sehr gefragt sein, wenn es denn darum geht, sich weiter oder verstärkt irgendwie "allein" zu beschäftigen oder Kinder zu bespaßen. In mancherlei Hinsicht wird die jetzige Lage Dinge durchaus beschleunigt verbessern - etwa, was den Internetausbau an sich angeht, die Digitalisierung von Schulen, die Digitalisierung von Meetings. Jetzt, da sie müssen, merken die Leute ja auf einmal: "Hey, so eine Videokonferenz ist ja gar kein Hexenwerk und obendrein ganz praktisch!" Hätte man natürlich schon früher drauf kommen können, aber sei's drum.


    Alles, was an Arbeit schlicht liegenbleibt und nachgeholt werden kann, halte ich für vergleichsweise undramatisch. So einen DDF-Liveauftritt verschiebst du halt um ein halbes Jahr oder Jahr, die Karten behalten ihre Gültigkeit, fertig ist die Laube. X Prozent der Karteninhaber werden ihre Tickets aus unterschiedlichen Gründen zurückgeben, X Prozent diese Tickets kaufen.


    Das sieht bei unbekannteren Künstlern schon ganz anders aus. Die sieht oder hört man sich wesentlich eher mal an, weil gerade die Gelegenheit da ist.

    Ich weiß nicht, ob es so sinnvoll ist, noch mehr zu orakeln, als ohnehin schon allenthalben getan wird.


    Abgesagte Liveauftritte treffen meiner Meinung nach andere Künstlergruppen wesentlich härter, z. B. Autoren, die Lesungen veranstalten. Ob neue Produktionen verschoben werden, weiß ich nicht, es würde sich mir aber nicht erschließen, warum. Und sollte Amazon tatsächlich keine CDs nachordern (was ja offenbar Spekulatius ist), dann würde eben (temporär) mehr gestreamt.

    Eine Referenzfolge der "Drei ???", der unter lauter brillanten Sprechern Wolff Rathjen seinen Stempel aufdrückt. Mit viel, viel Abstand würde ich heute als kleinere Kritikpunkte anfügen, dass der "Flüsterer" eigentlich gar nicht flüstert und auch nicht bedrohlich wirkt. Und ich finde es bedauerlich, dass man den "???" den Zauber eines Anfangs genommen hat - die dezidierte Entscheidung, ab sofort Detektive zu sein, ein Unternehmen zu gründen, das Drucken der ersten Visitenkarten, die dreiste Erpressung Hitchcocks ... all das finfdet ja inzwischen nicht nur im Hötspiel nicht statt, sondern auch im Buch nicht mehr.

    Es ist ja auch fast zwölf Jahre her, dass ich diese Rezi geschrieben habe. Und, klar, wenn man sich heute "Tauchgang ins Ungewisse" anhört, dann denkt man sich gerade mit der "Geisterinsel" als Gegenbeispiel im Hinterkopf: Sie konnten doch bei "Europa" mal Tauchgänge inszenieren. Warum klappt das heute nicht mehr? Trotzdem bleibe ich dabei, auch und gerade in Relation zu anderen, besseren Folgen: Die "Geisterinsel" ist für mich nur eine 3.

    Wie schon erwähnt, sind eigentlich derb viele Fehler in dieser Erstlingsfolge, aber die Sprecher, die Figuren, die Rätsel und die Atmosphäre lassen das komplett vergessen. Da es in dieser Folge zudem noch in erster Linie Orchester- und weniger Bohn-Musik gab, wurde diesbezüglich auch in der Neuabmischung wenig verändert/verschlechtert. Ganz neu über diese Folge nachdenkend, finde ich sogar, sie ist ein lehrreiches Beispiel für Kinder, denn die Art und Weise, wie sich Justus, Bob und Peter auf den gewalttätigen und übergriffigen Mr. Claudius stürzen, oder mit der Justus ihm unerschrocken ins Stammbuch schreibt: "Das kann nicht nur so sein, das ist so!" kann man als mustergültiges Verhakten gegenüber Mobbern bzw. zudringlichen Erwachsenen sehen.