Beiträge von Ohrwell

    Um mal wieder das Ruder rumzureißen und aufs Thema zu steuern:


    Es ist schon eine verzwickte Situation: einerseits sind die technischen Möglichkeiten da, um den Raum mit dem Hörspiel auszufüllen. Die Technik ist also nicht das Hindernis. Ich stelle mal ein paar Thesen auf, worans vielleicht hakt:


    1. Die Technik ist nicht transportabel, es gibt noch keine 5.1 Mehrkanal-Kopfhörer, d.h. ein Nebenbei-Hören wäre dadurch nicht möglich. Díe Frage ist allerdings, will man so ein Hörspiel überhaupt nebenbei hören, unterwegs sich mitten im Hörspiel befinden. Aber wir leben in einer hektischen Gesellschaft, wo Geduld nun mal Mangelware ist.


    2. Die Hörspiel-Dramaturgie hat laut Fachliteratur die Eindimensionalität für sich gepachtet: sie erleichtert das Erzählen durch Sprünge in Raum und Zeit. Da stellt sich dann auch die Frage, wie sich die Technik auf das Script auswirkt: schreibt man dann 5.1 Hörspiele der Geschichte wegen oder des Effekts - weil dann haben wir nämlich diesselbe Pattsituation wie bei SFX-überzüchteten Kinofilmen.


    3. Die Kosten lohnen den Aufwand nicht.


    4. Diese Technik ist nur für einen kleinen Kreis von Rezipienten interessant, da das Visuelle immer noch vorherrscht in unserer Gesellschaft.

    Ich bin auf einige Artikel gestossen, wo u.a. von der Nutzbarkeit der 5.1 Mehrkanal-Tontechnik für das Hörspiel geschwärmt wird. Ohne mich groß darin auszukennen, vermute ich mal, dass man dafür wieder einmal eine besondere Anlage benötigt, um diese Klangqualität genießen zu können. Es fragt sich nur, ob das wirklich den Aufwand wert ist bzw. ob sich das überhaupt lohnt.


    Wie seht ihr das?

    Zitat

    Original von mr.wong


    Dafür benötigt man - und damit sind wir wieder beim Anfang - keine gesonderte (Hörspiel) Abhandlung. Für sämtliche (handwerklichen) Aspekte einer Hörspielproduktion gibt es mehr als genug Literatur, Kurse und Ausbildungen.


    Vorhanden - ja, zentralisiert in einem Werk - nein. Und wenn, dann wird nicht nur das Hörspiel allein darin behandelt.

    Zitat

    Original von mr.wong


    Bein manchen Produktionen frage ich mich, ob die entsprechenden Macher sich überhaupt schon mal eine aktuelle Top-Produktion angehört und mal ernsthaft analysiert haben.
    So manches (kommerzielle) Hörspiel kann da einfach nur das Resultat fehlender Selbstkritik sein.


    Vielleicht ist das gerade die Lücke, welche von einer Hörspiel-Theorie geschlossen werden könnte.

    Zitat

    Original von Captain Blitz



    Manchmal frage ich mich, ob so ein Handbuch nicht doch eher schaden würde, denn nachher fühlen sich noch mehr Hansels dazu berufen, unsere Ohren zu belästigen. Davon gibt es leider schon genug.


    Eine interessante Sichtweise. Aber ich glaube nicht, dass dieses noch ungeschriebene Buch Stein des Anstosses wäre. Ich denke, die Tatsache, dass man heutzutage alles am PC erledigen kann, hat viel mehr Gewicht.

    Zitat

    Original von mr.wong


    Nun, die Elemente eines Hörspiels habe ich doch oben genannt.
    Ein Hörspiel ist produktionstechnisch recht überschaubar.
    Hören kann ich auch ganz gut... ;)


    Aber die Technik ist es ja nicht allein. Gerade die Verquickung von Sprache, Geräusch und Musik ist ein sensibler Prozess. Ein falsches Bild erkennt man nicht so schnell wie vielleicht einen falschen Ton. Gar nicht zu sprechen von der Organisation, Terminkoordination etc. Wenn man das alles unter dem Begriff Hörspiel summiert, dann ist das Hörspiel durchaus ein (vielleicht nicht immer kompliziertes) aber doch komplexes Gebilde.

    Zitat

    Original von Maltin


    Das würd mich am meisten interessieren, da eben das Hörspiel meiner Meinung nach medial eine außergewöhnliche Stellung in Abgrenzung zu Buch und Film hat (aus künstlerischer und auch pädagogischer Sicht). Das würd ich gerne lesen... wenns fertig ist. :)


    Wenn ich sie abgeschlossen habe, werde ich es Dir gern zum Lesen geben.

    Zitat

    Original von mr.wong
    [quote]Original von Ohrwell
    Es ist jedoch leider ein Irrtum zu glauben, man könnte Methoden aus Literatur und Film so einfach 1:1 auch auf das Hörspiel anwenden. .


    Ich halte es generell für einen Irrtum zu glauben, man könne einen künstlerischen Prozess methodisch abhandeln. Man lernt gewisse Grundlagen und Wege zum Ziel. Aber nie DEN Weg. Das Wichtigste ist Kreativität und das Beherrschen seiner Werkzeuge. Für letzteres gibt es Literatur.
    quote]


    In diesem Punkt stimme ich Dir zu, dass keine Theorie die praktische Kreativität ersetzen kann. Wäre ja auch irgendwie langweilig, wenn wir ständig im vorhinein alles wüßten, wo wäre denn da der Spaß? Theorie ist oftmals entweder nur apriori, wie im Bereich der Literatur, sprich "so soll es sein" oder aposteriori wie Film, "so hat er/sie es gemacht". Selten gibt es einen Kontrastabgleich zwischen beiden Komponenten. Aber es ist ebenfalls ein Irrtum zu glauben, daß wir überhaupt KEINE Wege, wie Du es nennst, durch Theorie kennenlernen. Dazu fällt mir ein Zitat aus dem ersten Matrix-Film ein: "Ich kann dir nur die Tür zeigen, durchgehen mußt du selbst."


    Theorie kann Wege zeigen, aber uns nicht sagen, welches Ziel uns dann am Ende wirklich erwartet.

    Zitat

    Original von mr.wong


    Ich glaube nicht. Was sollte die denn beinhalten?
    Hörspiel besteht (grob gesehen) aus Skript, Regie, Tontechnik.
    Diese Bereiche sind doch durch Literatur und Ausbildung bestens abgedeckt.


    Mit dieser Aussage stehst Du zweifelsfrei nicht allein. Es ist jedoch leider ein Irrtum zu glauben, man könnte Methoden aus Literatur und Film so einfach 1:1 auch auf das Hörspiel anwenden. Denn geschrieben wurden sie immer noch für Buch, Drama und Film.

    Zitat

    Original von Maltin
    Keine schlechte Frage... ich finde schon, das sich das Hörspiel vor allem aufgrund seiner medialen Einzigartigkeit und Besonderheit (vor allem in Abgrenzung zum Film) zur wissenschaftlichen Untersuchung eignet. Über was genau schreibst du eigentlich deine Diplomarbeit wenn ich fragen darf?


    Meine Arbeit umfaßt drei Teile:


    Geschichtliche Entwicklung von der Weimarer Republik bis jetzt


    Kommunikationswissenschaftliche Mechanismen beim Schreiben, Produzieren und Hören


    Medientheoretische Überlegungen zum Hörspiel

    Hallo liebe Hörspiel-Freunde!


    Ich schreibe gerade an meiner Diplomarbeit zum Thema Hörspiele und mir ist aufgefallen, dass es im grunde genommen eigentlich kaum aktuelle Bücher gibt, worin über Methoden zum Schreiben und Produzieren von Hörspielen.


    Es gibt Bücher über das Schreiben en masse, doch die behandeln meistens nur Prosa. Über Regie gibts auch nur wieder im Bereich Theater und Film etwas zu finden.
    Eine Quasi-Ausnahme bildet das Handbuch "Schreiben fürs Sprechen" von Stefan Wachtel, doch dabei gehts in erster Linie um Tips beim Schreiben von Nachrichten für Radio und Fernsehen.


    Was es sonst noch an hörspieltheoretischen Schriften gibt, sind meist eher historisch interessant aber ich fürchte für den Praktiker eher ungeeignet.


    Braucht das Hörspiel eine 'Theorie' überhaupt?

    Zitat

    Original von Captain Blitz


    Wie gesagt, selbst Hörspiel mit zweistelliger CD-Anzahl gönne ich mir auch mal. So what? Wenn es die Story her gibt, dann kann ein Hörspiel ruhig drölfzig CDs haben.


    Aber das ist gerade der casus knacksus: ab wann gibt die Story genug her, um ihre Mehrteiligkeit rechtzufertigen? Ok, um die Frage zu beantworten, müßte man erst den Stein der Weisen destillieren. Wird vermutlich auch keiner so richtig beantworten können.


    Ich hab das Gefühl, das Konzept der Mehrteiler geht auf, denn was ist der Reiz an der Sache: sich voll und ganz in die Story vergraben zu können und die Gier zu wissen: wie geht die Geschichte weiter. :)

    EIn großartiger Schauspieler und Sprecher mit einer der wohlklingendsten Stimmen - sein letztes Hörspiel war "Barclay und Filipe" mit Otto Sanders. Werd mal sehen, ob ich das irgendwo ergattern kann.

    Sicher habt ihr folgenden Satz schon desöfteren gelesen oder er kam euch selbst einmal über die Lippen bzw. auf die Tastatur:


    "Das wäre sich auch auf nur einer CD ausgegangen!"


    Gewiß, die Versuchung ist groß, ein Hörspiel über mehr als einen Silberling laufen zu lassen. Aber wie Michael Koser dereinst einmal sagte: wenn er dürfte wie er wollte, da käme ganz schön war dabei raus. Eine Handlung somit unnötig aufzublasen, kann sich dann sogar kontraproduktiv auswirken. Also lieber nach dem Grundsatz leben: in der Kürze liegt die Würze. Aber was soll man streichen, was soll bleiben? Das ist die wahre Kunst.


    Wenn ich mich so umsehe auf dem Hörspielmarkt, die Zweiteiler sind doch hin und wieder zahlreich gestreut. Bei Gabriel Burns z.B. haben wir desöfteren dieses Phänomen, abgesehen von der Rahmenhandlung, daß sich Episoden über 2 Folgen erstrecken. Auch bei John Sinclair tauchen sie immer häufiger auf, die 2- bzw. Mehrteiler, was aber auch an den Romanvorlagen liegt. Aber haben wir heutzutage soviel Zeit, um so lange beim Lautsprecher zu bleiben? Deswegen hören wir doch u.a. Hörspiele, weil wir so wenig Zeit haben.

    Ich möchte mich an dieser Stelle von ganzem Herzen bei Alibaba bedanken, dass er mir diese Chance ermöglich hat, ohne ihn wäre mein Script nie ein Hörspiel geworden.


    Ich wünsche allen Hörspiel-Freunden viel Spaß bei der Jungfernfahrt des Space Force Ship TARGET!


    Gruß Ohrwell

    Ich trage mich schon seit längerem mit dem Gedanken herum, nur noch per (natürlich legalem) Download, mir Hörspiele zu kaufen. Soforthoeren.de ist mir da als erste Adresse eingefallen.


    Was sind so eure Erfahrungen, ich bin immer noch etwas skeptisch, ob die Klangqualität bei einem downgeloadeten Hörspiel gleichwertig ist mit der CD-Ausgabe.


    Gruß Ohrwell