Regie: Judith Lorentz
Übersetzung: Claudia Ott
Auswahl der Geschichten: Safiye Can
Besetzung: Kathi Bonjour
Regieassistenz: Vanessa Gräfingholt, Delia Lang
Expertin für Arabisch: Heba Tebakhi
Redaktionelle Mitarbeit: Matthias Karow
Ton: Andr
Musik: Philipp Johann Thimm, Roshanak Rafani, Nabil Arbaain, Rosaceae
Mit Roxana Samadi, Jasmin Shakeri, Susana AbdulMajid
Der von seiner Ehefrau betrogene König lässt aus Rache jeden Tag eine Frau töten – bis die kluge Schahrasad antritt. Mit spannenden Geschichten hält sie die Neugier des Königs wach und wird verschont. Nacht für Nacht.
Nur die aufregendsten Erzählungen wurden über Jahrhunderte hinweg im Werk „1001 Nacht“ gesammelt. Die Hörspiel-Serie umfasst daraus 66 Nächte, in denen Schahrasad erzählt. Den Anfang macht die Geschichte eines reichen Kaufmanns, der versehentlich den unsichtbaren Sohn eines Dschinns tötet.
Immer wenn die Morgendämmerung anbricht, stoppt Schahrasad an der spannendsten Stelle. Was bleibt dem König anderes übrig, als sie von seinen Rachegelüsten zu verschonen, um weiter zuzuhören?
„Ich werde nicht eher gehen, als bis ich die Geschichte der anderen gehört habe“, heißt es immer wieder in „1001 Nacht“. Ein starkes Plädoyer für das Erzählen von Geschichten – und für das Zuhören.
„1001 Nacht“ hat keinen Autor, keine Autorin. Die Geschichten wurden an vielen Orten der arabischsprachigen Welt anonym gesammelt. Einige Motive haben indischen Ursprung, die Rahmengeschichte einen persischen. Die ältesten erhaltenen arabischen Fragmente stammen aus dem 9. Jahrhundert. Die älteste Übersetzung ins Französische ist etwa 300 Jahre alt. Inzwischen ist „1001 Nacht“ über geografische Grenzen hinweg Teil der Populärkultur.
Jeder kennt den Titel, die wenigsten haben es gelesen. „1001 Nacht“ hat eine über tausendjährige Erfolgsgeschichte, es ist globale Popkultur, immer wieder neu interpretiert – Stereotype inbegriffen. Der Deutschlandfunk entdeckt diese Weltliteratur mit einer Hörspieladaption neu. Als Podcast mit 67 Episoden und zusätzlichem Bonusmaterial feiert „1001 Nacht“ das serielle Erzählen.
Freizügige und drastische Inhalte
Vielen sind nur die kindgerechten Versionen von 1001 Nacht bekannt. Dabei eröffnet das Werk einen riesigen Erzählkosmos: Die ältesten erhaltenen arabischen Fragmente stammen aus dem 9. Jahrhundert., es gibt indische und persische Elemente. Die Verfasser sind anonym. So muss niemand mit seinem oder ihrem Namen für die teils gewalttätigen und freizügigen Inhalte geradestehen. Für die Aufnahme in die Sammlung gibt es nur ein Kriterium: Spannung!
Schahrasad als Host und Erfinderin des Cliffhangers
Schahrasad erzählt um ihr Leben – und das Publikum hört zu. „1001 Nacht“ als Podcast führt in 67 Folgen in Paläste und auf Partys, zu selbstbewussten Frauen und verzauberten Wesen. Eine intelligente junge Frau tritt mit dem Versprechen an, Nacht für Nacht eine noch aufregendere Geschichte zu erzählen. Was „1001 Nacht“ heute so interessant macht: Das Werk ist uralt und bedient sich hochmoderner Erzählformen. Denn in dieser Adaption der Neuübersetzung von Claudia Ott wird deutlich: Schahrasad ist eine Host-Figur, die Folge für Folge durch ihre Art des Erzählens einen Geschichtenkosmos lebendig werden lässt. Sie erfindet die Prototypen des Cliffhangers, lange bevor es den Begriff überhaupt gibt. Storytelling aus dem 10. Jahrhundert trifft Hörbedürfnisse des 21. Jahrhunderts: „1001 Nacht“ ist gewissermaßen die Mutter aller Serien.
Jeden Abend bei Sonnenuntergang eine Folge, beginnend mit Ramadan
67 Folgen erzählen jeweils eine nächtliche Geschichte aus „1001 Nacht“. Die preisgekrönte Hörspielregisseurin Judith Lorentz hat zusammen mit Roxana Samadi, die Schahrasad verkörpert, eine zeitgemäße Fassung erarbeitet. Sie verbindet deutsche und arabische Passagen sowie Storytelling-Elemente und feiert das mündliche, intime Erzählen. Jede Episode von „1001 Nacht“ hat eine Länge zwischen fünf und zehn Minuten.
Als Podcast ist „1001 Nacht“ in der Deutschlandfunk App und auf allen bekannten Plattformen ab 28. Februar, dem Beginn des Ramadans, abrufbar. Deutschlandfunk Kultur sendet die Episoden täglich zu Sonnenuntergang vor den 17.00 Uhr Nachrichten.
Eine ganze Erzählnacht im Deutschlandfunk Kultur am 29. März
Insgesamt ergeben alle Episoden rund 8 Stunden Hörspielmaterial. Ergänzt werden die aufwendig inszenierten Hörspielstücke um neun Bonusfolgen, die den berühmten Erzählkosmos begreiflich machen und Hintergrundwissen liefern. So wird im Gespräch mit der Übersetzerin Claudia Ott deutlich, warum die Figuren Aladdin, Sindbad und Ali Baba nicht vorkommen. Wie „1001 Nacht“ weltweit so beliebt wurde, weiß Erzählforscher Ulrich Marzolph. Die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen erkundet das nächtliche Erzählen. Die Beiruter Autorin Joumana Haddad spricht darüber, ob Schahrasad eine Heldin für heute ist.
Und auch im Radio wird eine ganze Nacht lang durcherzählt: Alle 67 Folgen von „1001 Nacht“ mit zusätzlichen Gesprächsfolgen sendet Deutschlandfunk Kultur eine Nacht lang am Stück: Am 29. März von 19.05 Uhr bis 6.55 Uhr am nächsten Morgen gehört die Sendezeit den Geschichten von Schahrasad.
Was zuvor geschah (22 Min.)
König Schahriyar ist gekränkt: seine Ehefrau betrügt ihn. Jede Nacht rächt er sich an einer anderen Frau. Dann meldet sich die kluge Schahrasad freiwillig. Sie hat einen Plan: den König mit ihren Geschichten zu fesseln und vom Morden abzubringen.
Nacht 1 - Der tödliche Dattelkern (10 Min.)
Schahrasad erzählt: Ein reisender Kaufmann rettet sich vor großer Hitze unter einen Nussbaum. Versehentlich tötet er den Sohn eines Dschinnis, der auf der Plantage lebt. Aus Rache will der den Kaufmann töten. Verzweifelt sucht er nach einem Ausweg.
Nacht 2 - Ein Jahr Aufschub (7 Min.)
Der Dschinni will den Kaufmann mit seinem Schwert töten, doch der Kaufmann verhandelt und bekommt Aufschub. Er zieht los, um sich von seiner Familie zu verabschieden. Am vereinbarten Tag kehrt er zurück – und trifft einen Mann mit einer Gazelle.
Nacht 3 - Drei geheimnisvolle Alte (5 Min.)
Ein zweiter und ein dritter Mann tauchen auf der Plantage auf. Auch sie wollen das Ende der Geschichte des Kaufmanns erleben und warten auf den wütenden Dschinni. Schließlich wirbelt Staub auf, der Dschinni erscheint und zückt sogleich sein Schwert.
Nacht 4 - Die verzauberte Gazelle (7 Min.)
Der erste alte Mann macht einen Deal mit dem rachsüchtigen Dschinni: Er erzählt die Geschichte von seiner verzauberten Gazelle. Und wenn die Geschichte dem Dschinni gefällt, bekommt der Alte ein Drittel des Lebens vom Kaufmann geschenkt.
Nacht 5 - Zauber und Gegenzauber (8 Min.)
Die Gazelle des Alten war einmal seine Ehefrau, die zaubern konnte. Sie hatte die Geliebte des Alten aus Eifersucht in eine Kuh, deren Sohn in ein Kalb verwandelt. Die Kuh wurde geschlachtet. Für das Kalb besteht Hoffnung, wieder Mensch zu werden.
Nacht 6 - Die zwei Windhündinnen (6 Min.)
Der zweite Alte erzählt: Die beiden Hündinnen waren einmal seine Brüder. Alle drei hatten Geld von ihrem Vater geerbt und ihr Glück gesucht. Während der Alte einen florierenden Laden aufbaute, verprassten seine Brüder ihren Anteil.
Nacht 7 - Die übernatürlichen Kräfte einer Ehefrau (8 Min.)
Der Alte erzählt von seiner Hochzeit auf einer Handelsreise. Seine eifersüchtigen Brüder wollten ihn und seine Frau töten und warfen sie ins Meer. Sie hatten jedoch nicht mit den übernatürlichen Kräften der Ehefrau gerechnet.
Nacht 8 - Ein Träger taucht auf (10 Min.)
Die drei Alten haben den Kaufmann mit ihren Geschichten freibekommen. Schahrasad setzt zu einer neuen Erzählung an: auf dem Markt in Bagdad bietet ein Träger einer einkaufenden Frau seine Dienste an. Bald schon stöhnt er unter der Last.
Link: