RadioTipp Die Juden

  • Radio:Tipp
    des Teams der Hörspiel-Freunde

    Im "Radio:Tipp" empfiehlt das Team der Hörspiel-Freunde Radiohörspiele, die in den nächsten Tagen gesendet werden.

    Die Empfehlung für
    Sonntag, 12. März 2017


    Ab 17:04 Uhr sendet

    SR 2

    Die Juden

    von Gotthold Ephraim Lessing

    Produktion: ORF / NDR 2016
    Regie: Leonhard Koppelmann
    Musik: Peter Kaizar
    Spieldauer: 55 Min.

    Als Lessing 1749 sein kleines Lustspiel "Die Juden" schrieb, war er gerade 20 Jahre alt. Als kühn und radikal kann dieses Jugendwerk Lessings bezeichnet werden. Zum ersten Mal staht die Figur eines positiv gezeichneten Juden auf der Bühne. Ein Reisender rettet einem Gutsherrn, der von seinen eigenen, als Juden verkleideten Bediensteten überfallen wird, das Leben. Aus Dankbarkeit will ihm der Baron seine Tochter zur Frau geben. Als dieser bekennt, "Ich bin Jude", ist der Baron sprachlos und seine zuvor geäußerten antisemitischen Vorurteile werden ad absurdum geführt. Das in die Form einer Komödie gekleidete Stück voller Sprachwitz ist ein zeitlos aktuelles Werk über Vorurteile, religiöse Toleranz und Antisemitismus.
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    Die Empfehlung für
    Samstag, 06. Juni 2026:



    Ab 14:00 Uhr sendet


    (Logo) Ö 1


    Die Juden


    von Gotthold Ephraim Lessing


    Produktion: ORF - NDR 2016
    Regie: Leonhard Koppelmann
    Technische Realisierung: Friedrich Trondl, Astrid Drechsler, Manuel Radinger
    Spieldauer: 55 Min.


    Mit:

    Michael Maertens, Cornelius Obonya, Peter Matic, Pippa Galli, Brigitte Karner, Karl Markovics, Thomas Mraz


    Für Emanzipation, für Bildung und für allgemeine Menschenrechte - gegen Vorurteile und Diskriminierung, für religiöse Toleranz und für Humanität und für die Vernunft als Urteilsinstanz - das waren wesentliche Anliegen der "Aufklärung", und der deutsche Dichter Gotthold Ephraim Lessing war einer ihrer bedeutendsten Vertreter.

    Lessing thematisiert hier Antisemitismus und das Verhalten einem "Fremden" gegenüber. Dieses Theaterstück gilt als Vorstufe und komisches Gegenstück zu "Nathan der Weise". Während Lessings "Nathan der Weise" als großes ausladendes Ideendrama an Hand unterschiedlicher Religionen den Gedanken der Toleranz thematisiert, ist Lessings Jugendwerk "Die Juden" pointierter und kompakter.

    Neu und kühn ist, wie der 20jährige Lessing seine Hauptfigur zeichnet, denn zum ersten Mal in der Geschichte des Theaters betritt die Figur eines positiv dargestellten Juden die Bühne. "Ich bin ein Jude" - dieser lapidare Satz, den der fremde Held der Geschichte, ein Reisender, gegen Ende sagt, kippt das vorgeblich lustig-feine Spiel um Identitäten in bittere Realität: "Ein Jude? Grausamer Zufall!" sagt der Baron und es wird klar, dass er seine Tochter einem Juden nicht zur Frau geben kann. Und Christoph, der Bedienstete des Reisenden, wirft diesem vor: "Sie sind ein Jude, und haben das Herz gehabt, einen ehrlichen Christen in ihre Dienste zu nehmen? Sie hätten mir dienen sollen. So wäre es nach der Bibel recht gewesen!"

    Lessings Stück, geschrieben 1749, berichtet von einer bitteren Tatsache: Dass es gegen die Aufklärung und ihr Ziel, das allgemein Menschliche als Wesentliches unseres Seins zu verstehen, immer wieder Versuche gab und gibt, Differenzen zu konstruieren und zu behaupten.