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Montag, 10. Juni 2013, 16:20

Tom König: Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus!



Tom König: Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus!
Gelesen von Christoph Maria Herbst.
Buch/Vorlage: Tom König.
Erschienen bei audio media verlag GmbH, 2012.

— Inhaltsangabe des Verlags:

Zitat

Der nackte Wahnsinn aus der Servicewelt.
Kunde König – von wegen! Verbraucher haben in Deutschland nichts zu lachen. Man lässt sie in Callcenter-Warteschleifen schmoren und traktiert sie mit seltsamen AGB. Tom König schildert seine aberwitzigsten Erlebnisse aus der deutschen Servicewüste – das Beste aus seinen Kolumnen auf SPIEGEL ONLINE.



— Meine Meinung:

Tom Hillenbrandt alias Tom König ist Sammler. Er sammelt skurrile Erlebnisse aus dem Kundenalltag in Deutschland - und dabei trifft es alle Branchen gleichermaßen: Egal ob es um Abenteuerliches im Bereich Telekommunikation geht, um den Einzelhandel, um Taxifahrten, Uhrenreparaturen, Fluggesellschaften, Callcenter, gemütliche Begegnungen mit den Freunden und Helfern – “Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus” offenbart einen kleinen Einblick in die Hölle, die einem viele Unternehmen als Kunde bereiten.

Doch wer nun glaubt, es ginge hier lediglich darum, die “bösen Konzerne” ab zu strafen und die Mitarbeiter alle über einen Kamm zu scheren, der irrt. Ja, ohne Frage zeigen alle Erlebnisse deutlich, daß man an den verbreiteten Konzernstrukturen sicherlich mehr als nur ein paar Zweifel hegen kann – aber König zeigt auch, daß das “böse Gegenüber” oftmals selbst nur Teil eines Systems ist, das zähneknirschend ertragen wird, weil der Lebensunterhalt ja irgendwie bestritten werden muß.

Abgeschlossen wird der Ausflug in die Tiefen der deutschen Servicewüste mit einem 22 Minuten umfassenden “Handbuch für Service-Guerilleros”, in dem König Kunde zwar keine wirklich neuen, aber dennoch schön gebündelte Tipps für den “Gegenschlag” erhält.

“Stromberg”, der Rächer der Ohnmächtigen.

Wie bereits erwähnt, ist “Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus” kein tumbes “Plattmachen” von Personen(gruppen), sondern prangert überdeutlich verkrustete und kundenfeindliche Konzernstrukturen an.
Was jedoch gnadenlos vorgeführt wird, sind hirnerweichende Vorschriften, deren Sinn niemand kennt und die einzig deshalb befolgt werden, weil “das ja schon immer so war”.

Engstirnigkeit, Unfreundlichkeit, Inkompetenz und Ignoranz – das sind Punkte, die selbst den genügsamsten Verständnismenschen irgendwann an den Rand seiner eigenen Toleranz (und darüber hinaus) bringen – und genau hier hat man mit Christoph Maria Herbst als Erzähler einen absoluten Glücksgriff getan. Wenn jemand diesem Irrsinn in­sze­na­to­risch die Stirn bieten kann, dann doch wohl “Stromberg”.

Und so zelebriert Herbst die in handliche, kurze Episoden von rund 3-7 Minuten verpackten Erlebnisse regelrecht und avanciert somit förmlich zum “Rächer der Ohnmächtigen”, und es ist nicht selten ein wahrer Genuß wenn Herbst obig erwähnten Unarten deutscher “Servicetugenden” mit triefendem Sarkasmus entgegentritt und diese in all ihrer Absurdität auseinander nimmt.

Ohne zu pathetisch klingen zu wollen: Durch die Art, mit der Christoph Maria Herbst hier liest, oder besser: spielt, bekommt das Hörbuch eine geradezu kathartische Wirkung. Jeder kennt zumindest ein paar der geschilderten Situationen, egal ob es die Hölle der Callcenter-Warteschleifen ist, das berüchtigte “Draußen gibts nur Kännchen”-Syndrom, das “‘Es gibt aber noch andere Farben!’ – ‘Kann sein. Aber nicht hier!’”-Phänomen oder die überstrapatzierte und urdeutsche Floskel “Wir bitten um Ihr Verständnis” etwa bei der Bahn, bei Fluglinien etc. ist. Und die Art, mit der Herbst diesen Irrsinn nebst Reaktionen darauf zum Besten gibt, hat wirklich etwas “Befreiendes”, was den Hörer nicht nur in das Hörbuch zieht, sondern ihm auch etwas durchaus Befriedigendes bietet.

Fazit:

Zwei CDs voll mit Absonderlichkeiten aus der Service-Welt, die doch jeder wohl nur zu gut kennt. Vorgetragen von einem großartigen Christoph Maria Herbst, avanciert “Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus” zu einem grandiosen Hörbuch, bei dem man auf der einen Seite lauthals loslachen, auf der anderen Seite aber ob der eigenen Erfahrungen und der Gewissheit, daß es eben keine Fantasterei, sondern tagtäglich traurige Realität ist, nur noch Weinen möchte. Doch zumindest für diese zwei CDs sollte man sich für das Lachen entscheiden.
Und ein ‘Gutes’ hat dieser Service-Irrsinn dann doch für sich: Tom König geht der Stoff nicht aus und der Audio Media Verlag kann hoffentlich in absehbarer Zeit ein weiteres Zeugnis dieser kundenfeindlichen Gesinnungen von Herrn Herbst einsprechen lassen.



(via hergehoert.de)