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Captain Blitz

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Dienstag, 31. August 2010, 20:05

Wulf Dorn - Kalte Stille (Lübbe Audio)

Jan Forster ist auf der Suche und zwar nach seinem verschollenen Bruder Sven. Dieser verschwand vor 23 Jahren ohne jede Spur und es ist fraglich, ob Sven überhaupt noch lebt, eine Leiche wurde aber nie gefunden. Doch das ist nur ein Geheimnis, das Jan lösen möchte, denn seltsamerweise verunglückte sein Vater unter mysteriösen Umständen am selben Tag an dem Sven spurlos verschwand. Hängen beide Fälle am Ende sogar zusammen? Ein rätselhafter Selbstmord führt Jan zu einem schrecklichen Geheimnis!


- Meinung -


Der zweite Roman von Wulf Dorn und nach seinem starken Debüt "Trigger" ließ dieses Werk nicht lange auf sich warten. Kann es die hohen Erwartungen erfüllen? Nur bedingt, denn ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich persönlich etwas mehr erwartet habe, denn zum einen dauert es relativ lange, bis man weiß was Sache ist und zum anderen schlägt der Spannungsboden nicht sehr häufig nach oben aus und es könnte fesselnder zugehen. Ist die Story schlecht? Mit Sicherheit nicht, aber wie gesagt, die Messlatte lag nach "Trigger" einfach sehr hoch und das Niveau dieses Bandes kann nicht ganz erreicht werden, ein durchdachter, kurzweiliger und spannender Psychothriller ist dieses Werk dennoch. Mag sein, dass Wulf Dorn noch nicht auf einem Level wie Sebastian Fitzek operiert, doch er ist auf einem guten Weg und die 431 Minuten Spielzeit haben mich sehr ordentlich unterhalten.

Einen Vorteil gegenüber dem vorherigen Band hat dieses Hörbuch definitiv, denn David Nathan ist der Sprecher, was aber wiederum nicht bedeuten soll, dass Wulf Dorn als Erzähler einen schlechten Job gemacht hat, eher das Gegenteil war der Fall, für eine Autorenlesung war das Debüt in der Hinsicht sogar doppelt beeindruckend. Wie dem auch sei, hier ist David Nathan am Werk und ihm macht man nichts mehr vor, vor allem im Thrillermetier ist er ein äußerst gefragter Mann, der viel Routine mit sich bringt und die setzt er auch diesmal wieder gekonnt ein, eine sehr souveräne Vorstellung, die keine Wünsche offen lässt. Er legt viel Spiel in seine Stimme, er spricht die diversen Charaktere wirklich gekonnt und man kann sie mühelos auseinander halten, wieder mal ein starker Auftritt von einem der besten Sprecher!

Die dichte und düstere Atmosphäre bezieht das Hörbuch aus der Geschichte an sich und David Nathans mitreißender Leistung, da es keine Untermalung im eigentlichen Sinne gibt und es sich hier um eine reine Lesung handelt. Zwar kommen hier auch wieder am Anfang des Hörbuchs und am Ende jeder CD ein typisches Stück zum Einsatz, das man auch von den Fitzek-Thrillern kennen dürfte, aber das reicht nicht aus, um dieses Produktion als inszenierte Lesung zu bezeichnen.

Für Genrefans ist dieser Thriller sicherlich willkommener Nachschub, aber wie erwähnt sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen, da der Vorgänger etwas besser war, diese Story ist für meinen Geschmack einfach ein wenig zu gewöhnlich, der letzte Kniff fehlt mir. Dennoch ist das hier grundsolide, gute und spannende Unterhaltung, die ich durchaus empfehlen kann.




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Sonntag, 27. Februar 2011, 16:30

Wulf Dorn: Kalte Stille

Wulf Dorn: Kalte Stille


Gelesen von David Nathan

6 Audio-CDs
Länge: 431 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4439-0
Veröffentlicht: 2010, Lübbe Audio

Inhaltsangabe des Verlags:

Zitat

Wenn die Stille zum Alptraum wird …
Eine Tonbandaufzeichnung, die in abrupter Stille endet – unerträglicher Stille. Mehr ist Jan Forstner von seinem kleinen Bruder nicht geblieben. Vor dreiundzwanzig Jahren ist Sven spurlos verschwunden. In derselben Nacht verunglückte auch sein Vater unter rätselhaften Umständen. Beide Fälle konnten nie aufgeklärt werden. Als Jan gezwungen ist, an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren, holt ihn die Vergangenheit wieder ein. Ein mysteriöser Selbstmord führt ihn zu einem schrecklichen Geheimnis.


MEINUNG

Wulf Dorn ist mit “Kalte Stille” ein Thriller der tatsächlich leisen Töne gelungen – statt auf Krawall, Massaker, Hektoliter Blut und herumfliegende Gedärme im Sekundentakt, präsentiert er hier einen kühlen, stillen Thriller, verstörend in Handlung und Charakterisierung und dennoch ungemein fesselnd. Tatsächlich ist in “Kalte Stille” so gut wie kein Charakter seelisch heil, was nicht nur als Ausgangspunkt wunderbar funktioniert, sondern den Hörer auch mit ihnen im weiteren Verlauf der Geschichte mitfühlen lässt. Dorn umschifft die Klippe, daß Charaktere auf den ersten Blick zwar interessant erscheinen, im weiteren Verlauf jedoch zu wandelnden Klischeeinkarnationen verkommen. Gewiss, einige Male wird auch hier in der Klischeekiste gerührt, doch driftet Dorn nie in Gefilde ab, die auch nur ansatzweise beim Hörer ein Zucken im Finger in Richtung “Stopp”-Taste hervorrufen. Die Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende packend erzählt – Dorn lässt den Leser, respektive Hörer bei wichtigen Aspekten immer schön lange “zappeln”, baut Spannung auf und löst dann auf – und das in einer Atmosphäre, die die Kälte aus dem Titel durchaus verdient.

Allerdings sollte eines beachtet werden: “Kalte Stille” kann durchaus als bedrückend empfunden werden – es ist gewiss kein “mal eben Gute Laune hören”-Hörbuch.

Gelesen wird das Werk von David Nathan – allein die Erwähnung des Namens dürfte mittlerweile nicht nur Kennern als Garant für superbe Erzählungen sein. Nathan belegt mit seiner Leistung bei “Kalte Stille” einmal mehr, daß er zu den absoluten Top-Sprechern Deutschlands zählt. Er charakterisiert die Charakter, spielt sie realistisch, kein Overacting, keine Aussetzer – David Nathan ist und bleibt pures Stimmgold und macht “Kalte Stille” zu einem atmosphärischen Erlebnis, das trotz abstinenten Bombasts der Handlung fesselt – oder gerade deshalb.

Musikalisch wie immer Minimalkost – Intro und Outro, dazu noch ein Wechseljingle am Ende jeder CD. “Lübbe as usual”.

Als Fazit bleibt eine tatsächlich eher stille Geschichte, die in ihrer streckenweisen Kälte und der Thematik gleichsam bedrückend wie faszinierend ist, Spannung fernab von Gesplatter und Krachbumm bietet und von einem verflucht guten David Nathan gespielt wird, der einmal mehr seine herausragenden Fähigkeiten als Erzähler unter Beweis stellt.


http://hergehoert.wordpress.com/2011/02/…n-kalte-stille/
http://www.hergehoert.de/review_wulf-dorn_kalte-stille.html