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Donnerstag, 31. März 2016, 17:13

Dürfen große Verlage den Radiosendern sagen, welche Hörspiele sie produzieren sollen (eurer Meinung nach)?

Hallo zusammen,

es ist zwar schon ein wenig her, aber vor einiger Zeit hat ja der WDR die "Unendliche Geschichte" als neues Hörspiel produziert. Nun gibt es hier ein Interview mit der Redakteurin Ulla Illerhaus: http://reportage.wdr.de/die-unendliche-g…-hoerspiel#6627

Sie erzählt, dass Sie von HörbuchHamburg / Silberfisch angerufen wurde. Man fragte sie, ob man sich beim WDR vorstellen könnte das Hörspiel zu produzieren. Die Idee zum Hörspiel kam von Silberfisch. Dort ist das Hörspiel dann auch kurz nach der Ursendung auf CD erschienen.

Findet ihr das so überhaupt in Ordnung? Müsste ein großer Verlag aus der freien Wirtschaft nicht eigentlich aus eigener Tasche produzieren? Alles andere wäre doch ein unfairer Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Verlagen / Labels. So hat man ein Hörspiel auf Kosten von Rundfunkgebühren produziert und kann es danach auf CD bringen. Umgekehrt sollte sich der öffentlich rechtliche Rundfunk doch nicht von der Wirtschaft sein Programm diktieren lassen (überspitzt). Genau aus diesem Grund werden doch auch Rundfunkgebühren erhoben.

Bin auf Meinungen gespannt.
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Captain Blitz

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Donnerstag, 31. März 2016, 17:17

Finde ich auch seltsam und bedenklich.

Aber das "Problem" ist halt, dass bei den Verlagen die Sender mit im Boot sitzen und umgekehrt. Lobbyismus der ganz eigenen Art. Finde ich auch...nicht gut. Ich würde es auch eher begrüßen, wenn man das Privatleute machen lassen würde, statt der Sender.

Leider sind Verlagshäuser immer reserviert, egal was für ein fettes Portfolio man hat. Ich laufe da auch immer ins Leere. Aber...wer nicht will, der hat schon. Soll man sich an veraltete Strukturen klammern und gut ist.
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Donnerstag, 31. März 2016, 18:03

Aber das "Problem" ist halt, dass bei den Verlagen die Sender mit im Boot sitzen und umgekehrt. Lobbyismus der ganz eigenen Art. Finde ich auch...nicht gut. Ich würde es auch eher begrüßen, wenn man das Privatleute machen lassen würde, statt der Sender.

Leider sind Verlagshäuser immer reserviert, egal was für ein fettes Portfolio man hat. Ich laufe da auch immer ins Leere. Aber...wer nicht will, der hat schon. Soll man sich an veraltete Strukturen klammern und gut ist.


Tja. Let´s make money.
Solange solche Strukturen die gewünschten Effekte bringen, sind alle im Boot zufrieden.

Detlef

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Donnerstag, 31. März 2016, 19:22

Findet ihr das so überhaupt in Ordnung? Müsste ein großer Verlag aus der freien Wirtschaft nicht eigentlich aus eigener Tasche produzieren? Alles andere wäre doch ein unfairer Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Verlagen / Labels.
Nicht wirklich, denn den Vorschlag kann jeder machen, das hat ja nichts mit der Größe des Labels zu tun.
STIL hat ja auch seine Prof. Freud so entwickelt...
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Donnerstag, 31. März 2016, 21:52

Wenn es ja so wäre, dass der Verlag bestellt und der Sender produziert und zahlt, wäre das in der Tat bedenklich. Aber so ist's ja nicht. Weder der WDR, noch der Verlag könnten das Ding alleine stemmen, man tut sich zusammen und der Hörer bekommt ein sehr gutes Hörspiel - Ich kann die Verlierer bei diesem Prozess nicht erkennen.

Der WDR hat in 2015 rund 80 Hörspiele produziert, davon sind 6 unmittelbar im Handel erschienen. Die Einflussnahme, so man denn da überhaupt von sprechen kann, hat also ihre Grenzen.

Captain Blitz

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Freitag, 1. April 2016, 06:36

Wieso kann der WDR das nicht alleine stemmen? Das ist doch das Thema, was Lenny ansprach. Was machen die denn sonst mit der ganzen Kohle? Kennst Du die Produktionskosten? Werden die offen gelegt?
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Max Medusa

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Freitag, 1. April 2016, 08:41

Wieso kann der WDR das nicht alleine stemmen?


Diese Frage ist berechtigt, die ÖRs haben schließlich more money than god und auch bisher problemlos alles gestemmt, was sie stemmen wollten.

Zitat

Alles andere wäre doch ein unfairer Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Verlagen / Labels.


Natürlich ist es das, alles basiert ja nur darauf, dass man jemanden kennt, den man anrufen kann und der einem vielleicht einen Gefallen schuldet 8)

Der Einwand, dass das beleibe nicht nur in dieser Branche so ist, nicht von der Hand zuweisen, ebenso wie das mittlerweile in vielen Bereichen beliebte Prinzip "Unternehmerischer Risiken verstaatlichen, Gewinne privatisieren".

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Freitag, 1. April 2016, 09:27

Hm, Frau Koppelmann hat just im Ohrcast Interview über die Zusammenarbeit mit dem DAV bzgl. Sherlock gesprochen, und da viel auch in einem Nebensatz, das die Sender eben auch mit schrumpfenden Budgets zu kämpfen haben.

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Freitag, 1. April 2016, 09:51

Hm, Frau Koppelmann hat just im Ohrcast Interview über die Zusammenarbeit mit dem DAV bzgl. Sherlock gesprochen, und da viel auch in einem Nebensatz, das die Sender eben auch mit schrumpfenden Budgets zu kämpfen haben.


Was meinst Du denn, wie bei Sendern schrumpfendes Budget aussieht und im kommerziellen Bereich? Sorry, über solche Aussagen kann ich nur lachen. Das ist jammern auf höchstem Niveau.
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Freitag, 1. April 2016, 12:17

Ich finde die Fragestellung grundsätzlich falsch bzw. irreführend, denn niemand hat inem Sender gesagt, was er produzieren soll. Es hat jemand angerufen und gefragt, ob und unter welchen Umständen sie ein Hörspiel produzieren wollen. Dass das im Falle des WDR, weil gebührenfinanziert, vielleicht ein wenig heikel ist, steht auf einem anderen Blatt. Andererseits: Woher sollen die ÖR-Sender denn ihre Stoffe bekommen, wenn sie sie nicht auch einkaufen dürfen?

Ansonsten ist keine Frage, dass der Teufel auch im Kulturbetrieb auf den größten Haufen scheißt. Diese Erfahrung mache ich bei der Verlags- und Agentursuche regelmäßig. Und das wird einem teilweise auch gant klar so gesagt: "Wenn Sie nicht schon bekannt sind, ist es so gut wie ausgeschlossen, dass Sie einen Verlag finden."

Was das gerade für Kunst und Kultur bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen, denke ich.

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Freitag, 1. April 2016, 13:04

Natürlich können Sie das sagen, hey produziert einmal....
Denn, Sie geben dann ja auch ein Statement dazu ab, dass Teil danach zu vermarkten und zahlen entsprechend dafür
Und die ÖR sagen sich, Refinanzierung, klar machen wir
Hörbuch Hamburg bekommt das Teil ja dann nicht umsonst

Und es ist gang und gebe, dass Labels mitproduzieren, siehe Kultursomer im HR, die Sherlock Holmes und Father Brown Hörspiele wurden direkt bei Audiobuch verlegt, oder auch der Maigret.
Alle erschienen direkt nach de Ursendung als CD

Fader

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Freitag, 1. April 2016, 13:05

Ansonsten ist keine Frage, dass der Teufel auch im Kulturbetrieb auf den größten Haufen scheißt. Diese Erfahrung mache ich bei der Verlags- und Agentursuche regelmäßig. Und das wird einem teilweise auch gant klar so gesagt: "Wenn Sie nicht schon bekannt sind, ist es so gut wie ausgeschlossen, dass Sie einen Verlag finden."

Was das gerade für Kunst und Kultur bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen, denke ich.


Ganz klar: die Künstler/Macher, die den Mut und die Finanzen nicht aufbringen, erst einmal aus eigener Kraft etwas auf den Markt zu bringen, werden es nicht schaffen. Wenn Verlage/Labels kein gutes Scouting/Talentförderung/A&R machen, müssen sie DANN allerdings auch damit leben, dass bei Erfolg die Macher sagen: "wozu brauche ich Euch jetzt noch?"

Die, die investiert haben und erfolglos bleiben, haben dann halt Ersparnisse verbraucht oder eben Schulden. Bei der Flut an Veröffentlichungen gucken alle halt nach dem, "was man schon kennt".

Zurück zum Thema. Es spricht nichts dagegen, wenn es solche Kooperationen gibt. Nicht vergessen: beim Fall der Unendlichen Geschichte konnte man das Hörspiel ja auch ZUERST im Radio hören und sich aus der Mediathek fischen. Das ist das, was ich mit den Gebühren bezahlt habe, und dadurch gehen dem Verlag ja auch Käufer verloren. Ob es für Sammler dann noch eine extra zu bezahlende CD-Edition gibt ... warum nicht? Wer's mag.
They call me the Fader. Which is what I'm about to do.

Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, d.h. man darf sie kostenlos nutzen.
Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. man darf sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen.

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Sonntag, 29. Mai 2016, 14:30

Zitat Wikipedia zum Öffentlich-Rechtlichen- Rundfunk:

Zitat

Neben einem Grundversorgungsauftrag und einem gesetzlich definierten Programmauftrag ist eine der weiteren wesentlichen Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks daher die Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit.


Ist man noch wirtschaftlich unabhängig wenn man auf Wunsch eines Verlags ein Hörspiel produziert und von vorn herein klar ist, dass dieses Hörspiel nach oder während der Ursendung auf CD erscheint?

Und es wird ja noch besser: Soweit ich mich erinnere, lief das Hörspiel "Die unendliche Geschichte" in 6 Teilen mit je 45 min Laufzeit. (Deckt sich auch mit der Laufzeitangabe der Hördat: insgesamt: 278 Min). Auf CD hat das Hörspiel aber eine Länge von 286 Min. Das heißt also das Hörspiel ist bereits bei der Ursendung gekürzt gelaufen. Natürlich weil es nach der Ursendung auf CD erscheint und für die Radiohörer muss es ja einen Anreiz geben, das Ding dann auf CD zu kaufen. (Habe ich auch gemacht, als Hörspiel-Sammler.)

Aber ist das denn in Ordnung? Der Öffentlich Rechtliche Rundfunk wird von (Zwangs-)Gebühren finanziert, die jeder Haushalt entrichten MUSS, ob man will oder nicht. Sollte es dann nicht wenigstens möglich sein, ein Produkt dieses von der Allgemeinheit produzierten Rundfunks in voller Länge hören zu dürfen ohne nochmal bezahlen zu müssen?

Noch ein weiteres Beispiel: Ursendung des Hörspiels "Die Wendeltreppe" am 31.05.2015 von 14:04 - 15:00 Uhr. Das macht 56 min. Dagegen die Länge der CD VÖ 62 min.

Quellen: http://www.kulturradio.de/programm/sendu…spiel_1404.html / http://www.hoerbuch-hamburg.de/hoerbuecher/3052/
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Sonntag, 29. Mai 2016, 14:36

Natürlich ist man wirtschaftlich unabhängig, wenn man ein paar Auftrasgarbeiten macht, da es nicht das Kerngeschäft der Radiosenders ist. Die brauchen das nicht, um zu überleben.

Hast Du die beiden Fassungen mal verglichen? Wenn man dauernd bei jeder Sendung eines Teils ein Intro davor hat, schneidet man es für die CD-Fassung natürlich weg. Umgkehrt: so what? Dann hat man einen Kaufanreiz für die CD-Fassung und es ist bekannt, dass Sender gerne alles in ihr Format krampfhaft zurechtschneiden.
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Sonntag, 29. Mai 2016, 15:03

Dann hat man einen Kaufanreiz für die CD-Fassung und es ist bekannt, dass Sender gerne alles in ihr Format krampfhaft zurechtschneiden.


Nur weil etwas bekannt und gängige Praxis ist, heißt es nicht automatisch, dass es richtig ist. Ich finde schon man sollte für die Gebühren von Anfang an ein Hörspiel ungekürzt hören dürfen, bzw. es sollte wenigstens einmal ungekürzt laufen.

Edit: Und nein, dass heißt nicht, dass ich alles für lau will. Die CD würde ich immer trotzdem kaufen.
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Sonntag, 29. Mai 2016, 15:39

Was man findet spielt halt keine Rolle, das entscheiden die Sender. Sie senden es so, wie es passt.
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Sonntag, 29. Mai 2016, 18:37

Man bekommt ja im Radio trotzdem ein vollwertiges Hörspiel. Wenn die Alternative dagegen heißt, dass eben manches gar nicht erst produziert wird, wenn sich Sender und Verlag nicht die Kosten teilen, sollte es doch auch im Sinne des Hörers sein, dass es überhaupt erscheint. Und dann auch noch für beide "Lager". Dass auf CD dann eine andere Version erscheinen kann hat ja nicht nur mit künstlichem Kürzen zu tun. Ein Radioblog hat oft eine bestimmte Länge an die man sich hält. Das man da dann für eine CD-Auflage evtl. die Möglichkeiten nutzt mehr Platz für eine Art Directors Cut hat ist doch auch eigentlich eher positiv. Viel schlimmer finde ich da, dass man bei neuen Kinofilmen schön abkassiert wird und dann hinterher die längeren Cuts auf BluRay kaufen darf.

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Sonntag, 29. Mai 2016, 19:33

Ein Radioblog hat oft eine bestimmte Länge an die man sich hält. Das man da dann für eine CD-Auflage evtl. die Möglichkeiten nutzt mehr Platz für eine Art Directors Cut hat ist doch auch eigentlich eher positiv.


Aktuell läuft beim SWR das Hörspiel "Manhattan Transfer" die einzelnen Teile gibt es beim SWR auch zum Nachhören. Teil 1 von 3 hat eine Länge von 1 Stunde 45 min. Teil 2 eine Länge von 2 Stunden. Teil 3 lief heute Abend (angekündigte Länge: 100:00 min). Das zeigt doch, dass man sich bei einem Hörspiel nicht an den vorgegeben 55 Minuten Block haltern muss wenn man es nicht will. Aber vielleicht hat der WDR ja ganz andere Vorgaben.

Aber warum ist das bei Filmen wieder schlimmer als bei Hörspielen, in der Auswertung auf Discs eine längere Fassung zu veröffentlichen? Im Kino hält man sich halt an den 90 min / 120 min Block und nutzt in der Auswertung den zusätzlichen Platz auf der Blu Ray. ;)
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Sonntag, 29. Mai 2016, 19:39

Wobei das vom eigentlichen Thema abweicht.

So oder so ist es wohl einfach eine Laune der Sender, aber primär hat man für deren Format zu produzieren bzw. produzieren die für ihre Formate. Es gibt halt Ausnahmen, so what.
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Mr. Murphy

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Sonntag, 29. Mai 2016, 19:40

Von Manhattan Transfer gibt es auch zwei Versionen. Eine ungekürzte und eine gekürzte. Das hat Herr Koppelmann im Interview mit dem Ohrcast erwähnt.

Die "unendliche Geschichte" ist ja ein Fall für sich. Abgesehen von möglichen Spielzeiten-Unterschieden ging es da um den 3D-Sound. Angeblich klappt das nur bei der Radioübertragung direkt. (Aber das ist eigentlich ein anderes Thema.)
------ Nennen Sie mich einen Verschwörungstheoretiker, aber ich behaupte, dass Louis Armstrong nie auf dem Mond war!



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