I N T E R V I E W
by Captain Blitz


Hallo Simeon und Wolfgang!

Mittlerweile steht ihr auf eigenen Füßen, die Russell & Brandon Company hat sich von Maritim getrennt und euer Name ist Hörspielfans ein Begriff. Wollt ihr noch was zu der Trennung von Maritim sagen? Was war der Grund dafür?
Der Grund waren verschiedene Firmen-Philosophien und auch andere „Kleinigkeiten“ die in der Geschäftsbeziehung nicht gepasst haben.Für beide Parteien war die Trennung am besten.
 
Ihr habt jetzt mittlerweile vier Serien gestartet (PSI-Akten, Jac Longdong, Faith und The Undead Live) und alle haben ein recht hohes Niveau vorzuweisen. Seid ihr auch selber damit zufrieden, sowohl qualitativ als auch quantitativ?
Wir sind schon zufrieden, versuchen uns aber stetig zu verbessern. Quantitativ müssen wir uns noch steigern. Das heißt die Auflagenzahlen müssen steigen und auch der Output. Außerdem möchten wir auch die Veröffentlichungstermine konsequenter durchziehen. Dies wird dann wohl 2007/2008 der Fall sein.
 
Man kann sagen, dass ihr euch konsequent gesteigert habt, vor allem was die Sprecher und Sprecherinnen betrifft, die ihr gebucht habt. Zuerst habt ihr bei Jac Longdong alles alleine gemacht und „eure“ Sprecher eingesetzt, dann kamen die PSI-Akten und Maritim hat zusätzliche Sprecher aus Hamburg gebucht und nun macht ihr wieder alles alleine und habt euch noch mal eine Nummer gesteigert. Das ist doch auch sehr kostenintensiv, oder?
O ja, das sind immense Kosten da wir leider nicht vor Ort aufnehmen können, sondern nach Berlin oder auch Hamburg müssen. Wir sind aber auch gerade dabei den Stuttgarter-Stamm aus zu bauen. Allerdings führt kein Weg an Berlin vorbei, wenn man in der ersten Liga mitspielen will.
 
Bisher sind wir auch ganz zufrieden mit unseren Abverkäufen, aber da ist noch viel „Spielraum“. Da wir nun mit der PÄNGG Distribution einen kleinen Vertrieb haben, ist leider die Verfügbarkeit nicht so gut, wie bei größeren Vertrieben. Aber unser Vertrieb arbeitet daran, dass es besser wird.
 
Ich glaube, dass es selten ein Label gab, das mit seinen Produktionen so polarisiert hat. Entweder lieben die Hörer eure Hörspiele oder sie können damit gar nichts anfangen oder hassen sie sogar. Faith und Jac Longdong sind da wohl die besten Beispiele. Wie fasst ihr so was auf?
Na ja, es ist ja nichts schlechtes, wenn unsre Hörspiele polarisieren. Vielleicht auch deswegen, weil sie doch etwas anders sind als andere Hörspiele?
Wir fassen so was ziemlich locker auf, weil wir von unseren Produktionen überzeugt sind. ;-)
 
Von wem kommen eigentlich die ganzen Ideen für die Serien und wer schreibt die Vorlagen?
FAITH schreibt Simeon Hrissomallis.
Jac Longdong schreibt Wolfgang Strauss.
Und bei den PSI-Akten schreiben wir beide. Ach ja, und THE UNDEAD LIVE haben wir gemeinsam geschrieben. Das war wahrlich ein kreativer und orgiastischer Akt. ;-)
 
Mal unter uns (und den Abermilliarden Lesern *g*), ihr kupfert doch auch gerne mal ab, oder?
Ja, natürlich. Besser gut geklaut, als schlecht erfunden. ;-)
Aber wenn wir uns so umsehen, sind wir ja nicht die Einzigen, oder?
 
Bisher ist euer Output für ein Label von eurer Größe schon recht beeindruckend. Wollt ihr den Output trotzdem noch steigern?
Das hängt vom Erfolg ab. Machbar wären 35 Hörspiele pro Jahr, dies ist unser Ziel, aber es ist noch zu früh,  eine abschließende Bilanz zu ziehen. Das wird die Zukunft zeigen.
Wir beobachten den Markt sehr gut und reagieren entsprechend auf Änderungen.
 
Wie sieht es mit neuen Serien aus?
Ein oder zwei Serien werden mit großer Wahrscheinlichkeit kommen .Die Eine davon wird wohl Anfang 2007 starten und es ist ein bekannter Comic und auch Kino-Erfolg, den wir erstmals als Hörspiel umsetzen werden. Die andere Serie ist noch nicht spruchreif, da stecken wir noch in Verhandlungen. In fünf Jahren kann es aber auch anders aussehen.
Mehr wird es aber erstmal nicht geben. Uns ist wichtiger die bestehenden Serien (FAITH, Jac Longdong und PSI-Akten), kräftig auszubauen.
Also wird es erstmals ab nächstes Jahr bei der R & B Company auch Lizenz-Hörspiele geben. Wir sind halt „höllische Jungs“. ;-)
 
Bisher habt ihr normale Serien und eine Mini-Serie produziert, wird es auch mal Einzelhörspiele geben?
Kurz und Knapp: Nein! Wir wollen uns einen Namen als Serien-Label machen, abgesehen davon gibt es doch genügend Einzelhörspiele, oder nicht?
 
Habt ihr Wunsch-Stoffe, die ihr mal vertonen wollt?
O ja, wir hätten gerne Macabros, Larry Brent, Dämonenkiller und besonders gerne Tony Ballard gemach. Da sind die Lizensen aber schon vergeben und wir drücken den Kollegen die Daumen und wünschen ihnen viel Erfolg.
Bei Tony Ballard hatte ich mich schon in den 80gern gefragt, wieso es diese klasse Serie auch nicht als Hörspiel gab??? Da hat man Potential verschenkt. Ich bin mir sicher, die Serie wäre damals auch ein Knaller gewesen.
Außerdem hätten  wir gerne einige „Superheroes“-Hörspiele gemacht, aber da sind die Lizensen zu teuer oder werden nicht freigegeben.

Letztendlich sind wir auf Lizensen nicht angewiesen, siehe FAITH, wir wüssten nicht wieso sich die junge Dame vor anderen Serien verstecken sollte. Außerdem wurden wir wegen FAITH schon von einem Games-Entwickler angefragt, d.h. bald könnten WIR die ersten Lizenzen vergeben. ;-)
 
Ähnliche Frage: Habt ihr Wunsch-Sprecher, die ihr unbedingt mal in euren Produktionen haben wollt?
Die hatten wir doch schon alle. ;-)

Spaß beiseiete, da wären: Tilo Schmitz, Ranja Bonalana, Carola Ewert, Wolfgang Heusinger, Joachim Tennstedt, Lutz Riedel, und noch mehr…
 
Bei den PSI-Akten gab es ja eine regelrechte Rangelei mit Maritim. Wie sieht es mit den ersten vier Folgen aus, werden diese bei euch eine Neuauflage erleben?
Ja, die Nummer 1 bis 3, werden wohl 2007 neue aufgelegt.
Alle Rechte liegen mittlerweile bei uns.
 
Was haltet ihr von den Vergleichen zwischen der EUROPA Gruselserie und euren PSI-Akten?
Kann es ein schöneres Kompliment geben?
 
Wo seht ihr die Russell & Brandon Company in einem, in 5 und in 10 Jahren?
Gute Frage: Entweder ganz vorne oder im Hörspiel-Nirwana. Ich denke das ist eine ehrliche Aussage. Wir sind nun mal auf den Hörspiel-Markt angewiesen, wenn dieser zusammenbricht, ist für ALLE kleinen Labels der Ofen aus.
Die Probleme liegen einfach im Handel, für den Hörspiele nun mal Nischenprodukte sind und auch so behandelt werden.
Ich denke von den kleineren Labels sind wir noch am finanzstärksten und können auch eine Durststrecke überleben, aber wir haben einfach nicht das Werbe-Budget um wie z. B. bei Gabriel Burns geschehen, ein Produkt zu puschen. Es wird aber auch bei uns außerhalb der Internet-Community Werbeaktionen geben…im kleineren Rahmen.
 
Legt ihr Wert auf Rezensionen diverser Internet-Hörspielseiten?
Ja, aus dem einfachen Grund, dass der Fan, bzw. Konsument im Netz auch was über unsere Produktionen findet. Die Bewertungen, wenn sachlich, können auch ein Denkanstoß sein um Änderungen herbei zu führen.
 
Seht ihr euch selber auch noch als Fans oder mittlerweile nur noch als Produzenten?
Wir waren als Konsumenten nie im Netz  unterwegs und haben auch keinen Wert auf Kritiken gelegt. Das was uns interessierte haben wir einfach gekauft. Das ist heute noch so.
Ja, wir sind heute noch Fans von „bestimmten“ Hörspielen, aber keine Sammler in dem Sinne.
Wir würden sagen, wir produzieren eben die Art Hörspiele, die wir auch gerne hören würden und die es nicht gibt.
Ja, wir sehen uns als Fans UND als Produzenten.
 
Ein paar abschließende Worte an die Fans?
Wir bedanken uns an unsere treuen Fans und würden uns sehr freuen, wenn ihr uns auch in Zukunft unterstützt. Vielen Dank!

Vielen Dank für das Interview!
Gern geschehen und gerne mal wieder.
 



Das Interview führte Patrick Holtheuer via Mail mit Simeon Hrissomallis und Wolfgang Strauss.
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