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Ermittlerteam in Wiesbaden (HR):
Der
60-jährige Fotograf Camillo Falk (Peter Fitz) versteht sein Handwerk. In
Wiesbaden ist er eine Institution. Selbstverständlich steht
Camillo mit den lokalen Größen der Stadt auf Du und Du. Doch
seine Leidenschaft sind die Abgründe der Gesellschaft und deren
Protagonisten. Seine wahre Liebe gehört vor allem den kleinen
Ganoven, Zockern, schweren Jungs, die es auch in Wiesbaden gibt. Und
leichte Mädchen gibt’s hier ebenfalls – so genau
weiß man nicht, wie weit Camillos Beziehungen zu ihnen und
anderen Damen gehen, schließlich ist der charmant-kauzige Camillo
Junggeselle. Mit tragischer Regelmäßigkeit werden die
romanhaften Ergebnisse seiner Recherchen eingeholt von der profanen
Wirklichkeit des kriminellen Alltags. Immerhin ist Camillo immer noch
der Schnellste seiner Zunft und meist noch vor Kripo und
Spurensicherung vor Ort.
Raymond Falk (Peter Jordan), Camillos Sohn, ist Anfang 30 und wuchs alleine bei seinem
Vater auf. Mit 17 verließ er den chaotischen Haushalt und begann
eine klassische Polizistenkarriere. Heute ist er Hauptkommissar bei der
Wiesbadener Mordkommission und bewohnt, nach eigenem Bekunden
glücklich verheiratet, mit seiner Frau Franziska und den beiden
Kindern ein Reihenhaus im vorderen Rheingau. Im Gegensatz zu seinem
Whiskey trinkenden Vater ist er Weinliebhaber. Bei der Mordkommission
Wiesbaden gilt er als heimlicher Chef. Raymond Falk ist kühler
Analytiker und ein korrekter Polizist. Er kennt die Grenzen seiner
Befugnisse und bewegt sich stets auf erlaubtem Terrain –
schließlich kann er sich in den »halblegalen Zonen«
auf die freiwillige oder unfreiwillige Mitarbeit seines Vaters
verlassen.
Sie befindet sich ständig auf Kongressen und Fortbildungen, ist
auf Kur, hat Urlaub eingereicht. Oder sie ist einfach nicht da, um
ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen bzw. weil eines
ihrer Familienmitglieder Jubiläum hat oder zu Grabe getragen wird.
Denn Ursula ist ein elegantes und immer noch gut aussehendes
Gewächs Mitte 50, das dem alteingessenen und weit verzeigten
wohlhabenden Wiesbadener Bürgertum angehört. Ursula kennt
natürlich Camillo, hatte mit ihm in den wilden 68er Jahren einmal
ein leidenschaftliches Verhältnis, an das sich beide gerne
erinnern, aber das sie damals verschwiegen haben und heute noch Fremden
wie Verwandten zu verbergen wissen. Vielleicht aber frischen sie es
immer mal wieder auf.
Sie hat nach Abitur und dreijähriger Ausbildung gerade die
Komissarsanwärterinnen-Zwischenstufe bei der Schutzpolizei hinter
sich gelassen hat und den Zuschlag für die seit Jahren erstmals
wieder ausgeschriebene Stelle im gehobenen Dienst erhalten. Trotz
kriminalistischer Begabung hat sie ihre Gefühle beim Anblick der
Leichen noch nicht so recht im Griff und stürzt sich dann mit
etwas zu viel Engagement in die Aufklärung der Fälle. Wenn
sie ihre Abscheu gegenüber dem vermeintlichen Täter nicht
verbergen kann, muss Raymond sie oft zurückhalten. Immer mal
wieder kann Sascha dem Charme des alten Verführers Camillo nicht
widerstehen und gestattet ihm, dem der Sohn schon häufig
Hausverbot erteilt hat, den einen oder anderen Spiekerblick in die
Akten. Aber vielleicht meint sie ja den Sohn.
E rzählweise
Die gegensätzlichen Charaktere von Vater und Sohn ermöglichen
einen differenzierten Blick auf die Whodunit-Handlung Während der
Vater das Fantastische und Imaginäre und die düstere Stimmung
à la Chandler, betont ohne Parodie zu sein, holt der
pragmatische Blick des Sohnes und Polizisten den Fall in die profane
Wirklichkeit des kriminalistischen Alltags zurück – oder
vice versa. Beide Erzählperspektiven sollten über den inneren
Monolog bzw. den Dialog zwischen Vater und Sohn laufen. Dabei erscheint
es akustisch reizvoll, Camillos Diktafon-Notizen, das Ergebnis seiner
Recherchen und seine Kommentare für die nie beendeten Romane zu
nutzen. Sie haben, bei aller literarischen Freiheit, stets einen
konkreten Bezug zum laufenden Fall, treiben die Handlung voran, indem
sie raffen oder auch in Rückblenden erzählen. Relativiert
werden sie durch die Perspektive des Sohnes. So verzichtet diese
Krimi-Reihe auf den klassischen Erzähler. In der Divergenz der
Blicke kann durchaus Spannung wie auch Komik liegen.
Foto: © hr Benjamin Knabe
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