Interview mit Stefan Krause II

Was können Sie uns zu Stefan Krause im allgemeinen sagen?

Antwort: Zu dieser Frage nur ganz kurz: Wo Stefan Krause draufsteht, ist auch Stefan Krause drin.


Stefan Krause, man dürfte Sie ja vornehmlich als Synchronsprecher kennen, in Hörspielen mischen sie erst seit ein paar Jahren richtig mit. Kann man das so sagen?

Antwort: Ich synchronisiere schon seit den frühen 70er Jahren und habe damals einige Hörspiele und Hörspiel-Platten gemacht (z.B. "Dschungelbuch II" / "Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung" nach dem Roman von Eric Malpass u.a.). Das ist dann später eingeschlafen, obwohl ich gern als Erwachsener wieder Hörspiele gemacht hätte. Leider hat man mich erst vor ein paar Jahren dafür "entdeckt" - und es macht (wieder) Spaß!


Welche Ausbildung haben Sie in dieser Hinsicht genossen? Haben Sie eine Schauspielausbildung?

Antwort: Ich gehöre zu den wenigen "Synchronkindern", die ohne offiziellen "Schein"(=Diplom) im Beruf arbeiten. Aber durch meine Eltern habe ich viel über Theater&Film mitgekriegt und habe dann in meinem Studium (der Musikpädagogik) ja auch Gesangs- und Sprechunterricht gehabt. Und was am wichtigsten ist: Man lernt sehr viel über Zuschauen und Zuhören bei KollegInnen. Das habe ich als Kind getan und das tue ich noch heute. Das zum Thema "lebenslanges Lernen"...


Sie haben sehr viele Synchronrollen gehabt, wenn Oliver Rohrbeck für die Synchronregie und das Dialogbuch zuständig war oder auch selber mitsprach. Ein Zufall?

Antwort: Oliver Rohrbeck und ich kennen uns seit KARLSSON VOM DACH, nein, sogar noch etwas länger! Und wir haben zusammen WAYNE'S WORLD I+II gemacht. Das verbindet... Ansonsten sind wir gut befreundet, und der Rest ist tatsächlich... Zufall!


Man hört Sie oft in "kauzigen" Rollen und sie haben eine besonders einprägsame Stimme. Stört es Sie, dass sie oft schräge Charaktere sprechen müssen?

Antwort: Schräge Rollen gefallen mir fast immer besser als "normale" Typen. Das kann was komödiantisches sein, aber auch ein irrer Mörder - sowas ist eine Herausforderung.


Sie treten nun die Nachfolge Hans Clarins als Hui Buh an. Das ist kein kleines Erbe und es gab im Vorfeld schon einige kritische Stimmen, obwohl die Fans noch gar nicht wussten, dass Sie nun der neue Hui Buh sind. Hat Sie das gestört oder haben Sie das gar nicht mitbekommen oder sogar einfach ausgeblendet?

Antwort: Antwort 3 ist richtig: Ich habe den großen Schatten von Hans Clarin eher ausgeblendet. Und beim Casting ging es auch nicht darum, sich da als Stimmenimitator zu versuchen. Da hoffe ich immer, dass die Fans unsere Arbeit auch als etwas Kreatives und Eigenes anerkennen und nicht "maulen", dass z.B. der Stefan Krause anders als Hans Clarin klingt. Den gab es eben auch nur ein Mal, und ich fänd' es eher peinlich , wenn ich ihn "nachmachen" solle. Dazu habe ich zu großen Respekt vor dem Original.


Wie kam es dazu, dass Sie die Rolle bekommen haben? War es das Glück, dass Sie sowieso für die Rolle Guckys in Perry Rhodan und für Nebenrollen in Edgar Allan Poe für STIL im Studio waren?

Antwort: Auch das würde ich eher einen glücklichen Zufall nennen. Es gab wohl mehrere Kandidaten und ich bin's am Ende "geworden" ... Diese Entscheidung lag nicht bei mir!


Konnten Sie denn selbst schon einmal in die fertigen Hörspiele hineinhören?

Antwort: Ich habe die Folge 1 gehört und fand's sehr lustig, auch wegen der Musik und der Soundeffekte. Das kriegt man ja bei den trockenen Sprachaufnahmen gar nicht mit.


Lesen Sie denn vor den Aufnahmen das komplette Drehbuchscript, oder beschränkt sich die Vorbereitung allein auf die Szenen, in denen Sie Passagen zu sprechen haben?
Bei Hui Buh haben Sie ja eine Hauptrolle inne, aber wie sieht es denn bei anderen Serien aus, in denen Sie vielleicht nur eine kleine Rolle verkörpern?


Antwort: Gerade bei neuen Produktionen lese ich schon das gesamte Skript, aber schaue etwas genauer auf "meine" Passagen, das heißt, ich markiere meine Texte, schaue, wo Betonungen liegen und streiche mir an, was ich nicht verstehe bzw., wo ich eventuell Änderungswünsche habe.
Ich nehme eigentlich jede Rolle ernst - ob klein oder groß. Wenn ich das Skript nicht kenne, frage ich zumindest nach dem Kontext meiner Rolle. Deshalb muss ich nicht die Story von A-Z kennen, aber ich brauche eine Orientierung von der Regie.


Wodurch hebt sich die neue Hui Buh Serie Ihrer Meinung nach von dem alten Original mit Hans Clarin ab?

Antwort: Na, da kann ich eben nicht viel zu sagen, weil ich das Original nicht kenne.


Wie gefällt Ihnen denn persönlich überhaupt die Idee Hui Buh wieder auferleben zu lassen?

Antwort: Ich bin ja nun ein Kind gewesen, dass kein großer Gespenster-Geschichten-Fan war. Vielleicht war ich dafür zu ängstlich!? Aber ich denke, es gibt schon Interesse einer neuen Kinder-Generation und nicht nur der früheren Hui-Buh-Fans, die jetzt schon selber Eltern sind. Grundsätzlich gefällt mir die Idee, weil: Wer Hörspiele hört und Bücher liest, sitzt nicht nur vor dem Fernseher oder vor dem PC.


Was macht Ihrer Meinung nach den Reiz am Medium Hörspiel aus? Warum gibt es seit Jahrzehnten bis zum heutigen Tag so viele Leute, die sich wie verrückt auf die Neuerscheinungen stürzen? Sehen Sie die Nostalgie als einen wesentlichen Faktor an (gerade wieder in Bezug auf die neuen Hui Buh-Hörspiele)?

Antwort: Das sind ja drei Fragen auf einmal...
Beim Hörspiel muss man sich die Bilder vorstellen, aus den Stimmen muss man sich Gesichter, Menschen, Typen machen können, aus den Geräuschen und Atmos die Räume, die Landschaften... Ich denke, der Boom der Hörspiele u. Hörbücher (auf CD und immer direkt aus dem Internet) hat schon etwas mit den neuen Medien zu tun. Ich finde es zwar schade, dass dadurch das Lesen von Büchern abnimmt, aber besser jemand hört im Auto eine CD, als dass er gar keine Zeit mehr hat, dieses oder jenes Werk kennenzulernen.
Ich denke, es gibt auf dem Markt viel Nostalgisches, aber auch viel "Kultiges". Und wenn die Fans es so wollen, sollen z.B. die "3 ???" noch viele Jahre weitermachen. Andererseits muss man respektieren, dass auch mal enden. Wenn man das nicht akzeptiert wird Nostalgie etwas nervig.


Wie ist das eigentlich generell? Bekommen die Sprecher Exemplare der Werke, in denen sie mitgewirkt haben und hört man sich das dann selbst noch einmal an oder ist soetwas ganz und gar nicht die Regel?

Antwort: Also ich bekomme in der Regel Belegexemplare der Produktionen, bei denen ich mitgemacht habe. Bei kleineren Rollen, die dann z.B. ab Folge 13 in einer Serie auftauchen, fehlt mir dann der Kontext, d.h. ich verstehe von der Story nur Bahnhof. Da höre ich dann eher mal nur rein, wie es so grundsätzlich klingt und ob mir der "Sound" gefällt.


Was ist aus Ihrer Sicht einfacher: Filmsynchronisation oder die Verkörperung einer Figur in einem Hörspiel?

Antwort: Schwierig! Also einerseits ist Hörspiel schwieriger, weil man ja nur seinen Text, seine Vorstellung und die Anweisungen und Ideen von der Regie hat. Beim Synchronisieren sieht man ja jemand im Bild, sieht Bewegung und Mimik. Alte Weisheit: Es hilft kollssal, bei diesem Job a) aufs Bild zu gucken und b) den Originalton anzuschalten und zu... lauschen!
Andererseits: Es gibt schwierige Rollen beim Synchron (aber Hallo!) und unkomplizierte beim Hörspiel. Und alle sollte man so gut machen wie man kann!


Hören Sie selber auch Hörspiele und/oder Hörbücher?

Ich muss zugeben, dass ich eher ein Literatur-Leser bin. Und was ich höre (mit meinem guten alten DiscMan), ist eher Musik. Ich hoffe, das ist nicht schlimm, dass ich eher Produzierender bin, aber kein so toller Konsument !?!


Gibt es noch etwas, das Sie an die Hörer und Fans loswerden werden wollen?

Betr. Hui Buh würde ich mir wünschen (siehe auch unter "Nostalgie"), dass die Fans aufgeschlossen für etwas Neues sind und es nicht nur an der klassischen Produktion "messen"! Und dann kann ich mich nur für euer Interesse bedanken - für die Person hinter dem Namen Stefan Krause.


Vielen Dank.

(Das Interview im März 2008 wurde von den Hörspiel-Freunden geführt.)


Interview mit Stefan Krause I

Kennen Sie die klassischen Hui Buh-Hörspiele?
Antwort: Ganz ehrlich, nein. Oder im Vorübergehen. Zu der Zeit, als die brandaktuell waren – ich gehöre nicht zur Generation „Hui Buh“ – habe ich irgendwelche anderen Dinge gemacht. Ich habe das Hörspiel damals gesehen, wusste aber gar nicht, dass es so super kultig ist.

H ö r e n !!!

Bereuen Sie ein wenig, Hui Buh als Kind nicht gehört zu haben, nachdem Sie jetzt den Hui Buh in den neuen Hörspielen sprechen?

Antwort: Ja eigentlich schon, aber so konnte ich die Rolle jetzt ganz neu für mich entdecken. Und ich habe gar nicht das Problem gehabt, irgendetwas nachmachen zu wollen. Außer, dass ich wusste, Hans Clarin ist ganz ‚far out’ – da muss man einfach versuchen, etwas Eigenes zu machen. Ich habe nicht probiert, seine Stimme vorher zu studieren oder nachzumachen, sondern einfach bei der Produktion versucht, meinen eigenen Hui Buh im Sinne des Erfinders zu gestalten und zu entwickeln.

H ö r e n !!!

Hat Ihnen die Regie „reingeredet“, wie Sie den Hui Buh sprechen sollen?

Antwort: Nein, reingeredet nicht. Die Rolle haben wir zusammen erarbeitet. Das ist das Schöne daran! Man muss sich in verschiedenen Richtungen einfach einpegeln, also von der Stimme her nicht zu hoch sein, nicht zu tief, nicht zu schrill. Es gibt ja immer Grenzen, wo man einmal drüber geht; dass man sagt, das geht dann sehr in die Höhe oder wenn er sehr viel Angst hat oder so etwas, dann wird das extrem schrill, aber nicht dass man die ganze Zeit immer völlig unter Strom steht , sondern dass man auch manchmal ganz vernünftig spricht – als Geist trotzdem menschlich und ein Freund ist von den Kindern und nicht immer das durchgeknallte Schlossgespenst. In der ganzen Suche findet man dann auch seine Stimmlage. Da kann man viel Quatsch machen und viel ausprobieren!

H ö r e n !!!

Liegt Ihnen das Albernsein?

Antwort: Ich bin sehr gern albern – nach dem Motto „seriös sein kann ich später“. Mir gefallen natürlich immer sehr komödiantische Rollen. Wo man dem Affen Zucker geben kann und mal aufdrehen und mal verrückte Sachen ausprobieren darf. Wie eben zu singen und zu schreien. Aber auch verschiedene schöne Chargen zu spielen – ‚ich bin jetzt furchtbar beleidigt’ oder ‚ich bin jetzt tief gekränkt’ oder ‚ich bin jetzt ganz ganz traurig’ – wobei ja manchmal Hui Buh wirklich auch traurig ist – aber manchmal spielt er auch so wunderschön die beleidigte Leberwurst oder er spielt den großen missverstandenen Künstler und so. Das sind einfach alles Farben von Hui Buh, die ich gern mache. Das macht irre Spaß.

H ö r e n !!!

In Synchronisationen sprechen Sie ebenfalls recht häufig schräge Typen, wie z.B. den Schriftsteller „Truman Capote“ in dem nach ihm benannten Film „Capote“, für den Sie sogar den Synchronpreis im letzten Jahr bekommen haben.Was war das Besondere an der Synchronisation von „Capote“ im Vergleich zu Ihrer Hörspielrolle als Hui Buh?

Antwort: Also, der Capote … Synchron bedeutet erst mal, dass man ein Original hat, und was der Schauspieler Philip Seymour Hoffman gemacht hat, war einfach ganz grandios. Er hat den Capote Monate lang studiert, die Stimme und den Ausdruck und ich habe versucht, eben weil ich Schauspieler bin und kein Stimmenimitator, da etwas Eigenes zu finden. Und da ging es auch darum letztendlich – wie ich vorher gesagt habe – als wir über Farben der Komödie/ des Komödiantischen besprochen haben – da sind es einfach ganz ruhige Töne. Ungeheuer interessant ist dabei auch, dass ein Mensch, der eben verschiedene Leute interviewt – darum geht es in diesem Film – mit jedem anders redet und extrem manipulativ ist. Er redet mit jedem so, als sei er sein bester Freund und stellt sich so auf ihn ein. Deshalb musste ich auch in dieser Rolle ganz viele Farben und Seiten zeigen: Mal ganz tough oder ganz verständnisvoll, mal wie ein junger Mann oder wie ein sehr alter Mann. Das stimmlich auszudrücken, war wirklich schwierig. Dass ich den Preis bekommen habe, hat mich besonders gefreut. Trotz allem ist es ein sehr schwieriger Film, eigentlich gar nicht lustig, aber es geht um die verschiedenen Facetten. Es gibt eben auch die Facetten des Ernsthaften so wie es Facetten gibt des Komödiantischen.

H ö r e n !!!

Fühlen Sie sich zu sehr auf lustige Rollen festgelegt?

Antwort: Eher komödiantische Rollen. Es freut mich natürlich, wenn jemand sagt ‚das muss Stefan Krause machen’, ich dann sage ‚für einen Take komme ich irgendwo hin’ und dann sagt jemand ‚der Typ ist so voll bekloppt, den musst du unbedingt sprechen’. Andere wären dann vielleicht beleidigt oder so, für mich ist das allerdings eher ein Kompliment. Bei der Laudatio für den Synchronpreis hat eine Kollegin etwas sehr Nettes gesagt, wo ich mich sehr wiedergefunden habe. Sie sagte‚ wenn Stefan Krause ins Atelier kommt, dann kommt zuerst Stefan Krause ins Atelier und dann ist er irgendjemand anders, irgendeine verrückte Rolle und dann geht er wieder und dann ist er wieder Stefan Krause und sagt ‚Auf Wiedersehen’. Insofern mag ich es gern, jemand anders zu sein. Ich verstelle nicht meine Stimme, aber bin dann ein anderer Typ. Das kann eine verrückte Comic-Figur sein oder auch ein fieser Staatsanwalt oder irgendwas. Am liebsten ist es mir, wenn ich nicht mich selbst spiele. Ich bin gern ich selbst im normalen Leben, aber auf der Arbeit schlüpfe ich gern in verschiedene Rolle. Und am liebsten natürlich schon in komische, alberne und komödiantische Rollen.

H ö r e n !!!

Sie spielen in verschiedenen Bands. Hilft Ihnen Ihre Musikalität bei Ihrer Arbeit?

Antwort: Sich mit Musik zu beschäftigen hilft auf alle Fälle für die Schauspielerei. Man muss nicht ein Instrument spielen, sondern es geht um eine Musikalität. Die hat auch nicht nur mit Songs zu tun oder dem Hui Buh Lied oder dass man versucht, den Hui Buh Schrei oder so etwas zu modulieren und mal zu säuseln. Aber es hilft natürlich ein bisschen. Musikalität hilft, dass man auch etwas abnehmen kann. Wenn jemand sagt ‚du musst es so und so machen’, muss man lauschen, auf sich selber und auf das, was andere einem sagt. Und da ist eine Musikalität für die Arbeit ganz wichtig - und bei dieser Sache ganz sicherlich.

H ö r e n !!!

Welche Instrumente beherrschen Sie?

Antwort: Ich spiele … Was spiele ich denn? … Ich spiele Schlagzeug und Vibraphon und Klavier, Keyboard. Und dann singe ich – also ich habe Musikpädagogik studiert und Gesangsunterricht gehabt. Das hilft schon und ich versuche neben der Arbeit diese verschiedenen Instrumente zu spielen. Ich habe sogar jetzt auch noch in etwas fortgeschrittenem Alter wieder Unterricht und lerne Vibraphon spielen. Lebenslanges Lernen ist ja sehr angesagt und insofern finde ich es nicht schlecht, in einer Musikschule mit jüngeren Leuten weiter zu lernen. Das macht großen Spaß.

H ö r e n !!!

H ö r e n !!!


» Biografie von Stefan Krause (PDF)