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Martin Seebeck

Dealing in futures

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Sonntag, 21. Februar 2016, 09:12

Über "Locke & Key":
Die amerikanische Version, welche von meinem Kumpel Fred Greenhalgh (der auch "The Cleansed" umgesetzt hat) gemacht wurde, wird schwer zu toppen sein. Hat man, imho, auch mit "Enders Game", "Starling Projekt" und "Six Degrees" nicht geschafft. Da haben mir die US-Versionen besser gefallen

Jetzt bin ich doch mal neugierig: im Vergleich der beiden Ender's Game-Hörspielfassungen hat Dir die US-Fassung besser gefallen? Magst Du etwas erklären, warum?
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Luke Danes

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Sonntag, 21. Februar 2016, 13:11

Oha, wie vergleiche ich das jetzt? Am Anfang erschuf Gott, den Himmel und die Erde... :D *quatsch*

Ich höre jetzt seit 2010 englischsprachige Hörspiele, habe das in den letzten Jahren noch verstärkt und höre zur Zeit fast keine deutschen Hörspiele mehr.

Der Grund dafür ist, das die Briten, Amis, Aussies usw. die ganzen Sachen irgendwie lebendiger rüber bringen, als die Deutschen es vermögen. In einem deutschen Hörspiel hört man, das der Sprecher eine Rolle spricht, eine Ausbildung diesbezüglich hat und nur recht selten "lebt". Die Aussprache ist meist extrem perfekt - es sei denn die Rolle verlangt anderes - und somit leben die meisten Hörspielcharaktere nicht wirklich. Besonders fiel mir das bei den späteren "Heliosphere" auf, denn dort hat man das Gefühl, es wären "Automaten" die das Schiff führen - zu glatt, zu tot, keine Möglichkeit der Identifikation mit den Protagonisten.

Nehme man z.B. einmal eine Folge Doctor Who von Big Finish. Wenn man mal ganz davon absieht das die Fernsehfolgen wirklich schlecht synchronisiert sind und jedem Doctor die Eigenheiten wegschmirgeln, so lebt die Serie - TV, wie auch Hörspiele - von den Akzenten der Akteure. Jedes DW-Hörspiel lebt vom gerollten "r" eines Syvester McCoy, dem glatten Oxford-Englisch eines Colin Baker, dem näselnden Schnellsprech eines Peter Davison, dem gefakten Amiakzent einer Nicola Bryant usw. usw. usw..

Klar, die haben diese Rollen schon im TV gespielt, doch leben sie ihren Doctor/Companion und sprechen ihn nicht nur.

Das vermisse ich am deutschen Hörspiel: Einfach so reden, wie man auch normalerweise redet. Ok, das ergibt dann Hobbytrashproduktionen wie die von Pandoras Play oder Hörfabrik und sowas will wirklich keiner, doch mehr Leben würde dem deutschen Hörspiel an sich gut tun. Ridley Scotts "Alien" war einer der ersten Filme in dem die Figuren so sprachen, wie man es erwartet - die Synchro ist wieder glasklar, doch das teilweise Genuschle der Originalversion trifft es besser.

Vergleiche "Geisterjäger John Sinclair" und "John Sinclair - Demon Hunter" miteinander. Mit dem ersten Produkt liefert Ehrhardt die typisch deutsche Steifproduktion ab, während Welbat lebendige und atmende Hörspiele produziert hat. Keine Frage, welchen ich mir da kaufe und anhöre - den Demon Hunter... Oder Vergleiche die Lovecraft von Titania mit denen des Dark Adventure Radio Theatre... das selbe in grün...

Ist schwer zu beschreiben/erklären/verdeutlichen - aber es ist das lebendige der Figuren, das "atmen" der Protagonisten, was für mich eine zumeist bessere Version im englischen ausmacht, wenn man sie mit der deutschen Version vergleicht. Auch wenn ich Dagmar Bittner als Mensch nicht mag, so hat sie mir gegenüber in Köln (Hörspielmesse) 2013 jedoch einen Satz getätigt, der es auf des Nagels Kopf trifft: "Die Amerikaner wollen das man spielt, die Deutschen das man spricht!"... ;)

I hope i made myself clear! :D

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Luke Danes« (21. Februar 2016, 13:19)


Martin Seebeck

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Sonntag, 21. Februar 2016, 14:11

Danke für die Erläuterung.

Und Du hast das englische und deutsche EG beide gehört und würdest sagen, dass das Merkmal "echteres Spielen" etc. für das US-Hörspiel spricht?

Gerade was diese Faktoren angeht (Sounddesign, Casting, Spielen statt Sprechen) war ich vorsichtig formuliert "erstaunt", was die Kollegen da für "marktfähig" durchgehen ließen.
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Luke Danes

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Sonntag, 21. Februar 2016, 14:33

Das wäre dann auch nicht wirklich so einfach beantwortet, geschweige denn gewertet, denn ich höre ja nach wie vor alles subjektiv, auch wenn es Lukes Meinung nicht mehr gibt. :D

Es mag auch daran liegen, das ich - sobald ich Udo Schenk (oder einen ähnlichen Sprecher, welcher zum x-ten Mal eingesetzt wird) in seiner 1234sten Rolle höre - sofort einen Teil der Lauschlappen einklappe.

Ich weiß nicht, ob die Amis/Briten über einen größeren Pool an frischen Talenten verfügen, aber im Hörspiel Deutsch wird viel zu oft und viel zu exzessiv auf die bewährten Bekannten gesetzt. Wenn ich dann vergleiche, so ist eine schlechtere Leistung in "Enders Game Alive" für mich angenehmer, wenn sie von einem Noname kommt, statt Udo Schenk wieder als Udo Schenk in "Enders Game" zu hören.

"We´re Alive!", eine der erfolgreichsten und umfangreichsten Zombiehörspielserien der USA (welche komplett kostenlos im Netz angeboten wird), startete mit vollkommen unbekannten Stimmen, dennoch waren es ALLES Schauspieler aus LA und Umgebung, welche da zu Werke gingen.

Es muss nicht wieder ins Extrem gehen - z.B. seine Freunde vor´s Mikro packen und mal reinhusten lassen - sondern ich würde dem Hörspiel Deutsch und seinen Machern mal mehr Experimentierfreudigkeit wünschen.

Dies ist natürlich insofern problematisch da ja der Megahardcorefandom-Hörer nicht das frisst was er nicht kennt. Aber die Theater dieses Landes sind voll mit begabten Menschen, welche erst gar keine Chance bekommen sich zu profilieren, da man scheinbar lieber Christian Rohde in der umpfsten Reinkarnation eines Dödeldetektivs mit extremer Überbetonung hören möchte - oder jetzt Sky Dumont... :D

Vom Sounddesign her kann "Enders Game Alive" nicht an "Enders Game" kratzen, aber beim Casting ist man (meiner Meinung nach) Lichtjahre voraus - auch wenn ich das nicht nur an der Qualität fest mache, sondern daran, das nicht schon wieder Hulda Hankemöller in ihrer 1234sten Rolle zu hören ist.

Ich verstehe auch definitiv den Kostenfaktor, doch denke ich mal (ohne wirklich Ahnung zu haben), das man für 1 Stunde Christian Rohde evtl. 5 Stunden Paul Raspelkasper vom städtischen Theater Schockemöhle bekommen kann, der vllt. das gleiche Talent hat.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Luke Danes« (21. Februar 2016, 14:41)


Martin Seebeck

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Sonntag, 21. Februar 2016, 19:05

Vom Sounddesign her kann "Enders Game Alive" nicht an "Enders Game" kratzen, aber beim Casting ist man (meiner Meinung nach) Lichtjahre voraus - auch wenn ich das nicht nur an der Qualität fest mache, sondern daran, das nicht schon wieder Hulda Hankemöller in ihrer 1234sten Rolle zu hören ist.

Werde ich als Meinung so akzeptieren. Mehr nur ggf. in einer PM.
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Sonntag, 21. Februar 2016, 21:32

Dann schick mal... Du hast gefragt! :D