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Friedel

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1

Sonntag, 11. Oktober 2009, 14:53

Kai Meyer - Die Geisterseher (Zaubermond Audio)



Die Geisterseher
- Ein unheimliches Hörspiel um die Brüder Grimm
Autor: Kai Meyer
Produktion: Zaubermond Audio 2009
Laufzeit: 280 min.
Preis: 29,95 Eur

Mit: Hasso Zorn, Matthias Habich, Andreas Fröhlich, Marius Clarén, Gerlach Fiedler, Brigitte Grothum u.a.

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Unruhige Zeiten im ehrwürdigen Weimar von 1805. Erst bricht ein Schauspieler tot zusammen, als Goethe seinen Faust aufführt, dann liegt Schiller sterbenskrank darnieder. Und mitten in der Szenerie die Brüder Grimm, die den beiden Dichterfürsten ihre Aufwartung machen wollen und stattdessen in ein finsteres Komplott um ein geheimnisvolles Manuskript geraten...

Die Tode eines Schauspielers aus Goethes Faust und Friedrich Schiller erschrecken die Bevölkerung. Und mittendrin die Gebrüder Grimm, die einem geheimnisvollen Mannuskript nachjagen und in ein finsteres Komplott geraten... Für die bildgewaltige und düstere Geschichte dieses Hörspiels sind Kai Meyer (Autor) und Marco Göllner (Hörspielbearbeitung) verantwortlich. Mit wortgewandten Dialogen und Verfolgungsjagden in Kutschen sowie einer riesigen Verschwörung wird der Hörer in das Jahr 1805 zurückversetzt, in dem man dem Abenteuer der Brüder Grimm folgt. Wem können sie trauen und wem nicht? Kai Meyer erschafft Charaktere, die weder leicht zu durchschauen sind, noch langweilig zu werden scheinen. Selbst durch die lange Laufzeit scheint die Geschichte nicht zu langweilen, sondern zieht den Hörer immer mehr in den Bann. Nebenbei lässt Meyer viele bekannte Dichter und Schriftsteller in seiner Geschichte auftreten, um die sich die ganze Geschichte rankt. Da wären Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, E.T.A. Hoffmann und natürlich die Gebrüder Grimm. Wie die beiden Brüder Grimm zum Schreiben von Märchen kamen, hat Meyer mit einem kleinen Gag gelöst, in dem der Satz "Wir schreiben an einem Märchenbuch" als Notlüge dient, um eingelassen zu werden. Von grandios besetzt kann man bei diesem Hörstück auf jeden Fall reden. Als Erzähler und alter Wilhelm Grimm führt Hasso Zorn mit spielerischer Leichtigkeit und rauem Unterton durch die Geschichte, erzählt in schillernden und verliebten Tönen von seiner großen Liebe und beweist damit, dass er die Rolle als Erzähler in diesem Hörspiel vollkommen verdient hat. Marius Clarén (Wilhelm Grimm) und Markus Pfeiffer (Jakob Grimm) sprechen das Brüderpaar Grimm, das mit dem Konflikt zu kämpfen, dass Wilhelm in eine junge Frau verliebt ist und ihr deshalb blindlings vertraut. Auch sie arbeiten routiniert und professionell. Matthias Habich, der besonders durch seine markante Stimme auffällt, besticht als undurchschaubarer Johann Wolfang von Goethe. Auch Andreas Fröhlich, der Interpret aller bisherig erschienener Kai Meyer Hörbücher, mischt in der neuesten Hörspielumsetzung Kai Meyers mit. Er verkörpert gekonnt und freundlich den Trinkbold E.T.A. Hoffmann, der uns heute als Autor berühmter Horrorliteratur bekannt ist. Gerlach Fiedler, allen bekannt aus der ??? Folge "Der Super-Papagei", stellt seine Stimme als Baron Zbigniew professionell zur Schau, wenn er auch ein bisschen murmelt. Der großen Liebe von Wilhelm Grimm, Anna von Brockdorf, leicht Celine Fontanges mit verführerischen und liebevollen Worten einen atemberaubenen Klang. Auch eine wichtige Rolle in diesem Hörspiel stellt Brigitte Grothum dar, die kurz nach dem Beginn als Gräfin Elisabeth von der Recke in Erscheinung tritt und das Leben von den Brüdern Grimm gehörig durcheinander bringt. Dem süchtigen und verrückten Prinz von Württemberg verleiht Sven Plate mit seiner jungen und irr klingenden Stimme einen bösen Glanz, der sehr zu überzeugen weiß. Der vor kurzer Zeit leider verstorbene Hans-Werner Bussinger (+ 2009) tritt in diesem Hörspiel zum letzten Male auf. Er verkörpert mit großer Sorgfalt und seiner unverwechselbaren Stimme den geheimnisvollen Moszinsky, dessen Absichten lange verborgen bleiben. Auch alle anderen Sprecher, darunter Gordon Piedesack (Direktor Ecatarina), Thomas Schmuckert (Spindel), Mia Diekow (Natascha) und Konrad Halver (Moebius) verrichten gute bis sehr gute Arbeit, was zu einem einheitlichen und guten Klangbild im Bereich der Besetzung verhilft. Die Akustik des gesamten Hörspiel sind drei Männer verantwortlich: Dennis Klingner, Christian Rheber (cantarelos) und Marco Göllner. Mit athmosphärisch düsteren Klängen, mystischen Orchesterstücken und einem unaufhörlichen Tonrhythmus mit ägyptischen Verwebungen bietet sich hier eine geniale Akustik, die dem starken Hörspiel noch die Krone aufsetzt. Man wird in die Geschichte hineingezogen, ohne etwas dagegen tun zu können. Musikalisch, aber auch auf die Geräuschkulisse bezogen, ist hier ein Meisterwerk gelungen. Das Digifile, in dem die 6 CDs und das Booklet verstaut sind, ist im düsteren Ton gehalten. Vorne prangt die Illustration von Mark Freier, die ein großes Lob verdient hat. Innerhalb sind zwei Zitate aus dem Hörspiel angebracht. Außerdem enthält das Digifile dezente Werbung zu "Leon Traumgänger" und "Dorian Hunter" sowie eine Vorschau auf den zweiten Teil "Die Winterprinzessin" inklusive Inhaltsangabe und einer Vorschau auf das Cover. Der Inhalt des Booklets ist fein abgestimmt und birgt alles, was man wissen sollte und will: Ein kurzer Text von Kai Meyer über "Die Geisterseher", die Sprecherangaben (bei den Hauptrollen mit Fotos ergänzt), Infos zu den Machern und die übrigen Infos über die Produktion von Musiker über Illustratior und Buchvorlage bis hin zum Dankesschreiben.

Ein atemberaubender Gruselkrimi, der nicht nur durch die tolle und bekannte Besetzung besticht, sondern auch mit der düsteren Inszenierung und der spannenden Geschichte beweist, dass nicht nur Kai Meyer als Autor, sondern auch Zaubermond Audio als Label die Nase ganz weit oben haben im Hörspielgeschäft und man dieses Hörspiel sehr empfehlen kann. Volle Punktzahl für ein klasse Hörspiel!

5 / 5 Sterne

Captain Blitz

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2

Mittwoch, 14. Oktober 2009, 08:11

1805 in Weimar, ein Schauspieler bricht während einer Aufführung von Goethes Faust tot zusammen und Schiller ist sterbenskrank, stehen beide Fälle eventuell sogar in Verbindung zueinander. Mittendrin befinden sich plötzlich die Brüder Grimm, die eigentlich den beiden bekannten Dichtern ihre Aufwartungen machen und ihnen Besuche abstatten wollten. Doch nun stecken sie in einem Komplott und es geht um ein rätselhaftes Manuskript, doch was hat es genau damit auf sich? Fragen über Fragen, doch können Jakob und Wilhelm (Markus Pfeiffer und Marius Clarén) hinter das Geheimnis kommen und das Komplott auflösen?

- Meinung -

Zaubermond Audio hat sich einen älteren Roman von Kai Meyer mal zur Brust genommen und sich an eine Hörspieladaption gewagt, die bisher größte des Labels. Auf 6 CDs wird das Hörspiel präsentiert, auch wenn die 280 Minuten problemlos auf 4 CDs Platz gefunden hätten, aber wie dem auch sei, es geht um die Handlung und die Umsetzung an sich. Die ist gut, keine Frage, auch wenn es sich hier um ein bereits älteres Werk Meyers handelt, doch die Charaktere sind interessant und zwar nicht nur die Protagonisten in Form der Brüder Grimm, sondern auch alle anderen, ob es nun ein E.T.A. Hoffmann oder ein Johann Wolfgang von Goethe, sie alle tragen ihren Teil dazu bei, dass die, Achtung Wortspiel, schillernde Welt zu Leben erwacht. Die Idee ist ebenfalls äußerst interessant, die beiden Brüder Grimm als eine Art Ermittler durch eine märchenhafte Welt zu schicken. Somit wird hier ein spannender Fantasykrimi geboten, der ohne Längen auskommt, stellenweise aber durchaus etwas mehr Tempo verdient hätte, doch da hat sich die Bearbeitung nur bedingt selber einen Gefallen getan, doch dazu später mehr. Von der Handlung gibt es im Prinzip so gut wie nichts zu beanstanden, eine ungewöhnliche Geschichte und mal etwas anderes, eine schöne Genre-Mixtur, faszinierende Charaktere und alles in allem grundsolide Unterhaltung.

Doch einer der Knackpunkte ist die Bearbeitung, denn für meinen Geschmack fällt die ganze Angelegenheit deutlich zu erzähllastig aus, auch wenn Hasso Zorn als alter Wilhelm Grimm einen guten Job macht und so auch gleichzeitig den Erzähler gibt. Er kommt einfach viel zu oft zum Zuge und seine doch recht groß angelegten Parts nehmen viel Tempo raus und lassen die Produktion stellenweise sogar zu einer inszenierten Lesung werden. Das hätte ruhig anders gelöst werden können, damit die Dynamik nicht flöten geht, was hier und da leider aber durchaus mal der Fall ist. Das ändert aber nichts daran, dass die hier auftretende Sprecherriege wirklich erstklassig und durchweg namhaft ist. Marius Clarén, Markus Pfeiffer, Matthias Habich, Sven Plate, Stefan Krause, Konrad Halver, Thomas Schmuckert, Mia Diekow, Elga Schütz und viele, viele weitere geben hier alles und geben nicht mal ansatzweise Anlass zur Kritik. Großes Lob an die Regie, die diese erstklassige Truppe so gekonnt unter einen Hut gebracht hat.

Nicht ganz so gut hat mir dagegen die Untermalung gefallen, da hätte ich mir einfach etwas mit deutlich mehr Wucht gewünscht. Mag sein, dass ich durch die Meyer-Vertonungen von STIL mittlerweile einfach verwöhnt bin, aber diese Klasse wird hier leider nicht ganz erreicht. Die Stücke klingen für mich einfach nicht episch genug, stellenweise werden sie zu dezent und leise eingesetzt und die Breite der Geschichte will so nicht durchkommen und wirken. Gelegentlich klingen die Musiken auch nur wie ein düsteres, elektronisches Wabern und das ist nicht die Art der Untermalung, die ich bei einer derartigen Geschichte hören möchte. Mal passt sie, mal passt sie nicht, doch alles in allem war hier deutlich mehr drin und lediglich an der Geräuschkulisse gibt es nichts auszusetzen.

Die 6 CDs werden in einer ansehnlichen aufklappbaren Papphülle serviert, wie man sie von Hörbüchern her kennen dürfte, für das Auge wird somit auch etwas geboten. Dazu ein höchstinformatives Booklet mit einem Vorwort des Autors und zahlreichen Fotos und Informationen zu den Sprechern und Machern.

"Nur" gut, so habe ich dieses Hörspiel jedenfalls empfunden, da es für meinen Geschmack hier und da doch ein paar Dinge besser hätten ausfallen können. Eigene Konkurrenz macht sich Kai Meyer mit den "Geistersehern" im Rennen um die Hörspiel-Krone in diesem Jahr nicht, denn meiner Meinung nach haben die "Wellenläufer" die Nase vorn, auch wenn dieses Hörspiel in eine andere Richtung. Für Fans des Autors ist das erste Abenteuer der Brüder Grimm dennoch ein Ohr wert, da es sich hier um eine sehr ordentliche Produktion handelt und das Geld ist sie allemal wert.



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